Posted by on Feb 28, 2015 in ALLES, NEWS, PRESSESPIEGEL | Keine Kommentare

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Das Team von Pro Quote Regie engagiert sich für mehr Gleichberechtigung in der Filmbranche. Die Autorinnen des Textes sind Esther Gronenborn (2.Reihe, 4. von links) und Connie Walther (ganz rechts im Bild).

Die deutsche Filmförderung benachteiligt Frauen. Darauf hat ProQuote Regie aufmerksam gemacht. Für mehr Gleichberechtigung sind aus ihrer Sicht Gesetzesänderungen und eine andere Förderpolitik nötig. Hier sieht ProQuote Regie auch die SPD in der Pflicht.

Die Vision einer gendergerechten, diverseren und wettbewerbsstarken Filmbranche ist die Schubkraft unserer Initiative Pro Quote Regie. Der Aufforderung, einen Beitrag zum Diskurs sozialdemokratischer Kulturpolitik zu leisten, kommen wir gern nach. Initiativen wie Pro Quote Regie schlägt Widerstand entgegen, obwohl die Fakten klar belegen, dass Frauen in der Filmbranche massiv benachteiligt sind. Ein Beispiel: 2013 hat der Deutsche Filmförderfonds (DFFF) 115 Produktionen gefördert – bei gerade mal 13 davon führten Frauen Regie.

Die Frauenquote gesetzlich verankern

Trotz solcher Zahlen herrscht weiterhin die Überzeugung vor man entscheide individuell und auf Basis von Qualität, nicht aus Angst und Gewohnheit. Immer noch gilt die Quote als überflüssige Gängelung und Bevormundung der künstlerischen Freiheit. Aber kann es die sogenannte künstlerische Freiheit überhaupt geben, wenn die weibliche Hälfte der Bevölkerung darin nicht vorkommt? Aus anderen Bereichen der Wirtschaft ist längst klar: Ohne gesetzliche Starthilfe wird und kann sich an der Situation weiblicher Führungskräfte nichts ändern. Für unsere Branche heißt das: Erst wenn es normal geworden ist, eine Frau als Regisseurin zu beschäftigen, stellt sie kein zu verargumentierendes Risiko mehr dar.

Ein Blick nach Schweden zeigt, dass man mit einfachen Gesetzesänderungen und Zielvorgaben in kürzester Zeit sehr viel erreichen kann. Innerhalb von zwei Jahren wurde die Förderquote von Filmprojekten an denen entweder eine Regisseurin und/oder eine Produzentin und/oder eine Drehbuchautorin beteiligt ist von 15 auf 45 Prozent angehoben. Das auch dort vorgebrachte Argument der Branche „es gäbe nicht genug Frauen“ wurde schnell widerlegt. In Schweden beweisen die Frauen mit ihren Filmpreisen und Projekten, dass ein entschiedenes gesetzliches Vorgehen für ein Mehr an Frauen im Filmgeschäft keine Bevormundung oder gar Einschränkung der Branche darstellt, sondern einen Gewinn für das Filmschaffen insgesamt.

Frauenministerin Schwesig unterstützt Pro Quote Regie

Auch in Deutschland wird sich ohne Anreize und Gesetzesänderungen nicht viel ändern. Ein wichtiger Schritt wäre eine Gleichstellungspräambel im neuen Filmfördergesetz (FFG). Dem schwedischen Modell folgend, ließe sich hier eine Zielvorgabe zur gendergerechten Vergabe der Fördersumme in den Bereichen Produktion, Regie und Drehbuch formulieren. Nicht minder wichtig ist die Änderung der Medienstaatsverträge. Aktuell können die Filmverbände ihre Stellungnahmen zum 17. Rundfunkänderungsstaatsvertrag abgeben. Das öffentlich-rechtliche Fernsehen, das trotz der Verwendung öffentlicher Gelder bei der Erstellung seines fiktionalen Programmes beim Thema Gleichstellung überraschend schlecht abschneidet, ist immer noch das größte Nadelöhr für das Filmschaffen in diesem Lande.

Die Frauen- und Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) als prominente und mächtige Quotenbefürworterin hat mit der finanziellen Förderung der Pro Quote Regie Berlinale Aktivitäten außerordentlich dazu beigetragen, dass wir einen umfassenden öffentlichen Diskurs starten konnten. So konnten wir das Bewusstsein für die Schieflage in die Branche hinein tragen. Unserem Beispiel folgend, werden jetzt die im Verband Deutscher Drehbuchautoren (VDD) organisierten Drehbuchautorinnen einen Diversitätsbericht fertigen. Zudem stehen wir mit jungen Filmproduzentinnen in Kontakt. Dies ist ein erster wichtiger Erfolg, der ohne die Hilfe der Ministerin nicht möglich gewesen wäre. Lassen Sie uns daran anknüpfen! Mit ihrer Einführung der Quote in DAX-Unternehmen hat sich die SPD klar zum Thema Gendergerechtigkeit positioniert.

Wirtschaftsminister sollte in die Frauenförderung investieren

Beim SPD-Branchentreff während der Berlinale präsentierte SPD-Chef und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) die Verwendung der zehn Millionen Euro, die er als Ausgleich für die gekürzten DFFF-Gelder zurück die Filmbranche fließen lassen will. Statt das Geld wie von Gabriel geplant für die Förderung „internationaler Koproduktionen“, „einen besseren Internetauftritt von Produktionsfirmen“ oder „serielles Erzählen“ nach dem Gießkannenprinzip einzusetzen – dafür sind zehn Millionen auch ganz schnell wieder ganz wenig – könnte man das Geld aus unserer Sicht effizienter und populärer einsetzen: als wirkungsvollen sozialdemokratischen Beitrag zur Gendergerechtigkeit mit entsprechend monetärer Schubkraft.

Beispielsweise könnte der Wirtschaftsminister das Geld im Rahmen der Initiative Kultur- und Kreativwirtschaft in gendergerechte Projekte fließen lassen: Denkbar wäre eine Spitzenförderung für Produktionen, an denen Autorinnen, Regisseurinnen und Produzentinnen beteiligt sind. Oder die Auflage eines Fonds, um familiengerechterer Strukturen auch in der Filmbranche zu fördern zu können.

Anachronismen beenden, Frauen fördern

Ein System, das die Pluralität der eigenen Gesellschaft nicht garantiert, ist über kurz oder lang zur Bedeutungslosigkeit verdammt. Eine vielfältig aufgestellte Filmbranche, die unterschiedliche Erzählperspektiven erlaubt, ist also nicht nur ein notwendiger Schritt in eine nach vorne orientierte, offene und plurale Medienlandschaft, sondern unabdingbar für eine der wichtigsten meinungs- und stilprägenden Branchen. Die Zukunftsfähigkeit unseres Landes beweist sich auch darin, Anachronismen zu unterbinden in einer Branche, die so bedeutend ist für unsere Kultur und unsere Wirtschaft.

Die Autorinnen gehören zum Vorstand bei Pro Quote Regie

Info: Über sogenannte „starke Frauen“ in Filme, die oft nicht mehr sind als Klischees, schreibt auch unsere Autorin Julia Korbik in ihrem Blog „Feminismus ins Netz gegangen“