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„Especially when it comes to public money – it has to be equal.“ Jane Campion, Cannes 2014

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Dortmunder Erklärung

Posted by on Okt 19, 2017 in FORUM, NEWS | Keine Kommentare

 

Forderungskatalog

zur Geschlechtergerechtigkeit in der Film- und Medienbranche

 

forderungskatalog-skizze©Christiane Büchner

 

PRÄAMBEL
In der deutschen Film- und Fernsehbranche arbeiten in den meisten kreativen Schlüsselpositionen mehr Männer als Frauen, zu dem Schluss kommen die FFA Studie Gender und Film und die Studie von ARD und ZDF aus dem Jahr 2017. So führen z.B. in nur 22% aller Kinofilme Frauen Regie, bei den TV-Filmen liegt die Regie – Quote von Frauen sogar nur bei 14%. Dem gegenüber stehen 44% Regie-Absolventinnen an den Filmhochschulen. Ähnlich sehen die Verhältnisse im Bereich Drehbuch (48% Absolventinnen gegenüber 23% Autorinnen Kinofilm und 23% Autorinnen TV-Film) und Produktion aus (40% Absolventinnen gegenüber 14 % Produktion Kino und 32% Produktion TV). Auch vor der Kamera kommen Frauen weniger vor als Männer. Folglich existieren branchenkulturelle Barrieren, die sich stärker auf die Berufschancen von Frauen auswirken.

Im Sinne von Artikel 3 des Grundgesetztes der Bundesrepublik Deutschland fordern wir für die Film- und Medienbranche, dass der Staat die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern fördert und auf die Beseitigung bestehender Nachteile hinwirkt.

 

1. Quote
Die öffentlichen Filmförderungen sowie die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten sollen ihre Budgets bzw. Aufträge mit einer Quote von mindestens 40% und langfristig 50% an Projekte mit Frauen in folgenden kreativen Schlüsselpositionen vergeben: Drehbuch, Regie, Produktion. Die vorgeschlagene Soll-Bestimmung ist verbindlich, lässt aber in begründeten Fällen Abweichungen zu. Diese müssen öffentlich transparent nachvollziehbar begründet werden.

 

2. Weitere Steuerungs-Instrumente
Die Filmförderungen sowie die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten sind verpflichtet, Strategien und Instrumente zu entwickeln, um den Anteil der Einreichungen von Frauen zu erhöhen.
Das gilt besonders für den Bereich der Spiel- und Dokumentarfilme mit mittlerem (2-5 Mio. €) und hohem (über 5 Mio. €) Budget.

Die dazu notwendigen Schritte werden gemeinsam erarbeitet. Denkbar ist neben der Quote z.B. ein Punktesystem, wie es beim österreichischen Filminstitut praktiziert wird: Wer Frauen als „Head of Departments“ der unterschiedlichen Gewerke besetzt, kann Punkte sammeln, die beim nächsten Filmprojekt bis zu 30.000€ zusätzlicher Förderung wert sein können.
Grundsätzlich ist es hierbei sinnvoll und hilfreich, die Fördersituation in anderen europäischen Ländern zu betrachten.

 

3. Gendermonitoring
Jede Filmförderinstitution sowie die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten sind verpflichtet, nach jeder Kommissionssitzung oder Intendant*innenentscheidung folgende Informationen zu veröffentlichen:

  • Anzahl der eingereichten und der geförderten Projekte mit Angabe des Geschlechts der beteiligten Filmschaffenden
  • beantragte und bewilligte Fördersummen, bzw. Produktionssummen
  • Die Kriterien, nach denen Förderentscheidungen und Aufträge vergeben werden, sind transparent zu machen (z.B. durch schriftliche Stellungnahmen)
  • Anteil an weiblich und männlich besetzten Rollen und Aufteilung des GesamtBudgets der Schauspielgagen zwischen Schauspieler*innen

Ein entsprechender Jahresbericht soll zeitnah zum neuen Jahr veröffentlicht werden.

 

4. Gendergerechtigkeit bei den Gewerken
Die Filmförderungen sowie die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten sind verpflichtet, neben der Erhöhung des Frauenanteils bei den Regieaufträgen darauf zu achten, dass auch in den übrigen Gewerken der Frauenanteil gesteigert wird (z.B. Produktion, Buch, Kamera, Ton, Schnitt, Masken-, Kostüm-und Szenenbild, Filmmusik und Cast).

 

5. Geschlechtergerechte Besetzung der Gremien
Jede Filmförderinstitution sowie die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten sind verpflichtet, ihre Aufsichts- und Beratungsgremien geschlechtergerecht 50:50 zu besetzen.
Die Besetzung der Rundfunkräte sollte außerdem die gesellschaftlich relevanten Verbände und Gruppierungen spiegeln. Die geschlechtergerechte Besetzung des Rundfunkrates und aller Gremien muss im Rundfunkstaatsvertrag festgeschrieben werden.

 

6. Gleichstellungsbeauftragte für Gremien der Filmförderungen und für die Auftragsvergabe in den öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten
Die Filmförderungen sowie die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten sind verpflichtet, Gleichstellungsbeauftragte zu installieren, um den Ausbau und die Einhaltung von Gendergerechtigkeit bei der Filmfinanzierung und der Verteilung von Arbeitsaufträgen für TV-Filme und Serien zu beobachten, zu unterstützen und zu beraten.

 

7. Sicherung des Filmerbes von Frauen – Überarbeitung der 500er-Liste
Seit 2012 wird das deutsche Filmerbe ansatzweise digital gesichert.
Die sogenannte „500er-Liste“ der filmhistorisch wertvollen und förderungswürdigen Filme des Deutschen Kinematheksverbundes enthält Titel von wichtigen deutschen Filmen, die zur Digitalisierung anstehen. Die Anzahl der Filme von Frauen ist dabei vergleichsweise (ca. 30 Regisseur*innen mit rund 50 Filmen) gering und entspricht nicht ihrer gesellschaftlichen und historischen Bedeutung. So werden z.B. die Filme von Regisseurinnen aus den Aufbruchsjahren des deutschen Kinos der 1960er und 1970er Jahre kaum berücksichtigt. Ihre Werke müssen auf die Listen des zu sichernden Filmerbes gesetzt werden, damit sie sowohl dem breiten Publikum als auch den Filmstudent*innen zugänglich sind.
Die Kriterien für die Digitalisierung eines Films müssen transparent gemacht werden.

 


 

Erstunterzeichner*innen:

Petra Hoffmann, Autorin, Regisseurin, Produzentin
Vorstandsmitglied Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm (AG DOK)

Susanne Foidl, Schnittmeisterin
Gleichstellungsbeauftragte der Filmuniversität Babelsberg, Babelsberger Salon

Julia Beerhold, Schauspielerin,
Vorstandsmitglied Bundesverband Schauspiel (BFFS)

Petra L. Schmitz, Leiterin dfi-Dokumentarfilminitiative im Filmbüro NW

Gudrun Lehmann, Musikerin, Komponistin, Kulturmanagerin
Film Sound Hamburg, WIFTG

Silke Johanna Räbiger, Festivalleiterin
Internationales Frauenfilmfestival Dortmund | Köln e.V.

Christiane Büchner, Regisseurin
LaDOC Frauen – Film – Netzwerk Köln

Barbara Teufel, Regisseurin, Drehbuchautorin
Pro Quote Regie – Zusammenschluss von Regisseurinnen in Deutschland

Cornelia Köhler, Autorin
Vorstandsmitglied Women in Film and Television Germany (WIFT Germany)

Stephanie Hardt, Bildgestalterin
Professorin an der ifs, internationale filmschule köln

Birgit Guðjónsdóttir, Bildgestalterin (bvk)
Professorin an der Hochschule für Film und Fernsehen, Konrad Wolf‘ Potsdam-Babelsberg

Elfriede Schmitt, Kulturmanagerin
Projektleitung LaDOC Lectures, Köln

 


 

Kontakt:

Int. Frauenfilmfestival Dortmund | Köln
Silke J. Räbiger
c/o Kulturbüro Stadt Dortmund
Küpferstraße 3
44122 Dortmund
www.frauenfilmfestival.eu

 

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„Zur Sache Schätzchen!“ Pro Quote Regie goes Münchner Filmfest

Posted by on Jun 12, 2017 in FORUM | Keine Kommentare

„Zur Sache, Schätzchen!“
Ein Panel von Pro Quote Regie
auf dem Münchner Filmfest
Am Samstag, den 24. Juni 2017
Beginn 14:30 Uhr
Einlass ab 14:00 Uhr

Black Box im Gasteig
Rosenheimerstrasse 5, 81667 München


bildleiste

Seit der Gründung 2014 hat Pro Quote Regie viel bewegt. Einer der größten Erfolge ist die aktuelle zweiteilige Studie „Gender und Film“ von der FFA und „Gender und Fernsehfilm von ARD und ZDF.

 

Die Ergebnisse der Studie bestätigen nicht nur die Zahlen von Pro Quote Regie. Sie zeigt wie eklatant das Missverhältnis zwischen Ausbildung und Beschäftigung auch von Frauen in den anderen kreativen Führungspositionen Produktion, Drehbuch, Montage, Kamera, Ton und Szenografie ist. Erstmals wurden die Barrieren für Frauen im Film- und Fernsehgeschäft ermittelt. Es sind vor allem stereotype Wahrnehmungskriterien auf den Entscheidungsebenen und männlich konnotierte Berufsbilder, die Frauen in den kreativen Schlüsselpositionen verhindern. Als weitere Gründe werden „Risikoaversion“ und „Mutlosigkeit“ des öffentlich rechtlichen Rundfunks sowie der FFA genannt.

Die Analyse ist da. Jetzt geht es darum, die Lage nachhaltig zu verändern. Vier Monate nach der Veröffentlichung möchten wir u.a. mit Vertreter*innen von FFA, ARD und ZDF eine erste Bilanz ziehen: Gibt es bereits Maßnahmen und Veränderungen als Folge aus der Studie? Welche Veränderungen werden langfristig angestrebt? Und wir möchten darüber diskutieren, wie die Erkenntnisse aus der Studie zu einer diversen und innovativen Zukunft der Film- und Fernsehbranche beitragen können. Zur Sache, Schätzchen!

 

Das Programm:

24. Juni 2017, 14.00 Uhr
in Black Box, Gasteig, Rosenheimerstrasse 5, 81667 München

Grußwort:
Diana Iljine, Geschäftsführerin der Int. Münchner Filmwochen GmbH und Leiterin des Filmfests München

Einführung:
Barbara Teufel, Vorstand Pro Quote Regie

Keynote:
Lisa Basten, Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung

Auf dem Panel:
Christine Berg, stellvertretender Vorstand der Filmförderungsanstalt FFA
Dunja Bialas, Vorstandsmitglied des Verbandes der deutschen Filmkritik
Robert Franken, digitaler Potenzialentfalter und Feminist
Dr. Norbert Himmler, Programmdirektor des ZDF (angefragt)
Jörg Schönenborn, Fernsehdirektor des WDR (angefragt)

Moderation: Barbara Rohm, Vorstand Pro Quote Regie

Ca. 90 Minuten

 Bitte melden sich sich an unter: JA, ICH MÖCHTE TEILNEHMEN!
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Die Wissenschaft hat festgestellt…

Posted by on Feb 5, 2017 in Ziel | Keine Kommentare

„DIE WISSENSCHAFT HAT FESTGESTELLT, …“

dass wir uns vergegenwärtigen müssen, welche historischen und gesellschaftlichen Stereotype wirken, wenn die Arbeit einer Frau beurteilt werden soll. Also:

… dass  die Arbeitsteilung seit Beginn der Menschheit nicht geschlechtspezifisch festgelegt war. Die Vorstellung des jagenden Mannes und der feuerhütenden Frau stammt aus dem 19.Jhdt. und läßt sich wissenschaftlich nicht nachweisen. Nachgewiesen ist dagegen, dass Frauen an Großtierjagden teilnahmen, dass sich in Gräbern von Steinzeitfrauen Waffen und schweres Werkzeug befand und der Eiszeit-Ötzi sein Lederzeug selbst nähte.

(Anke Domscheit-Berg in „Ein bisschen gleich ist nicht genug“, S. 110-12, Heyne-Verlag 2015; http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/anti-emanzipatorische-argumente-steinzeit-fuer-immer-12125657.html )

… dass  heute, Jahrtausende später, der Frauenanteils in einer Profession sich umgekehrt proportional zum Einkommen verhält. Das läßt sich auch im historischen Wandel der Berufe nachweisen. Z.B. wurden die ersten, meist weiblichen Programmiererinnen miserabel entlohnt, der moderne IT-Spezialist ist eher männlich und hoch bezahlt. Dem historisch angesehenen „Sekretär“ folgte die schlecht bezahlte Sekretärin. Das zeigt sich in sämtlichen Berufssparten.

(Anke Domscheit-Berg in „Ein bisschen gleich ist nicht genug“, S. 26/27, Heyne-Verlag 2015; BMFSFJ, Dossier Entgeltungsgleichheit zwischen Männern und Frauen in Deutschland, 2009, S13)

… dass bei der Bewertung von Physikklausuren in 8. Klassen  identische Antworten mit fiktiven Namen bis zu einer Note schlechter bewertet wurden, wenn ein Mädchenname darauf stand.

(Eidgenössischen Hochschule Zürich, https://www.ethz.ch/de/news-und-veranstaltungen/eth-news/news/2016/01/schlechtere-physik-noten-fuer-maedchen.html )

…dass wenn identische Businesspläne den Risikokapitalgebern mal    mit weiblichem, mal mit männlichem Vornamen präsentiert werden, eine Gründerin allein der weibliche Vorname 40 Prozent des potentiellen Finanzierungsvolumens kostet.

(Vivienne Ming, http://www.faz.net/-gqe-8p4dq)

… dass in Galerien vorgelegte identische Gemälde zur Schätzung des Marktwerts mit fiktiven Frauen- und Männernamen ergab: die Gemälde mit Männernamen wurden bis zu einem Drittel höher bewertet.

(Anke Domscheit-Berg in „Ein bisschen gleich ist nicht genug“, S. 114, Heyne-Verlag 2015)

… dass der Anteil von Frauen in allen Bereichen von Wissenschaft und Kunst ist umso geringer ist, je mehr der Glaube an die angeborene intellektuelle Brillanz des Genies vorherrscht.

„Dieses Branding bleibt Frauen verwehrt, man traut ihnen Brillanz nicht zu. Es ist der alte Gedanke, dass nur der Mann Geistigkeit habe, weil Geist aus der Zeugungskraft komme.“

(Jutta Brückner, Rede vom 16.2.2016, http://www.proquote-regie.de/auftritte/)

… dass die Filmrealität der gelebten Realität hinterher hinkt. Nur 20% der Protagonistinnen haben einen Beruf. Als Managerinnen, Politikerinnen oder Wissenschaftlerinnen sieht man sie so gut wie nie. Die sexualisierten Darstellung von Frauen überwiegt signifikant, Deutschland liegt hier im internationalen Vergleich an der Spitze.

Dr. Stacy L. Smith: “Die Ergebnisse zeigen, dass wir weltweit mehr haben als nur ein Filmproblem, wenn es dazu führt, dass Mädchen und Frauen abgewertet werden. Wir haben ein Menschheitsproblem.“

(Studie „ Gender Bias Without Borders“, https://seejane.org/wp-content/uploads/gender-bias-without-borders-executive-summary.pdf)

… dass  nur ca. 30% der Hauptrollen in deutschen Kinderfilmen und Serien mit Mädchen oder Frauen besetztsind. In überdurchschnittlich vielen Filmen haben Frauen weder Namen noch Beruf, sind nur spärlich bekleidet und reden kaum. Dies ist ein weltweites Phänomen. In amerikanischen Blockbustern fanden sich im Jahr 2013 gerade mal 15% weibliche Hauptrollen. (Dr. Maya Götz, http://www.genderundschule.de/index.cfm?uuid=926E511EE780F4212AAC2DFE9B08CD36&and_uuid=6E8F9C5DB8CF67D8BCCBCB4FB7E8614F)

… dass  Mädchen- und Frauenkörper, wie Disney-Filme sie zeigen, nicht existenzfähig wären. Das trifft auf Jungencharaktere nicht zu. (Dr. Maya Götz, http://www.genderundschule.de/index.cfm?uuid=926E511EE780F4212AAC2DFE9B08CD36&and_uuid=6E8F9C5DB8CF67D8BCCBCB4FB7E8614F)

… dass wir in einer Zeit leben, in der die Wirklichkeit von Bildern bestimmt wird. Eine Gesellschaft, die kein Interesse hat an den Geschichten, die ihre Frauen zu erzählen haben, verarmt, und ihr Bild von sich selbst ist verzerrt. Film ist ein Medium, in dem die Herrschaft des Geldes sich mit der Herrschaft über das Unbewusste zusammentut, eine extrem männliche Domäne.

(Jutta Brückner, Rede vom 16.2.2016, http://www.proquote-regie.de/auftritte/)

… dass  sich im Filmkanon, der von der Bundeszentrale für Politische Bildung herausgegeben wird und einen Querschnitt der Filmgeschichte darstellen soll, kein einziger Film einer Regisseurin befindet.

(http://www.bpb.de/veranstaltungen/QUFU7Z,0,0,Filmkanon.html)

Wir Regisseurinnen und unsere Werke existieren bis heute nicht im kollektiven Bewußtsein. Siehe oben. Das muss sich ändern.

… dass Marmelade Schnaps enthält!

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Maßnahmen zur Lohngerechtigkeit

Posted by on Feb 3, 2017 in PQR Akademie | Keine Kommentare

Let’s talk about money – Sprechen wir über Geld! 

Maßnahmen für Lohn- und Gendergerechtigkeit in der Film- und Fernsehbranche Ergebnisse der ersten Fachtagung am 19.1.2017 in den Räumen des BMFSFJ 

Beschäftigung, Marktpräsenz und Bezahlung bilden einen Dreiklang in den freien Berufen der Film-branche, besonders aber in der Regie.
In den zwei Gesprächsrunden KINO und FERNSEHEN wurde diese Korrelation deutlich: Eine Mehrbeschäftigung von Regisseurinnen ist der erste Schritt um den bestehenden Gender Pay Gap von bis zu 36 Prozent zu schließen. Man verständigte sich darauf, dass dies ein wichtiger Schritt sei, der nun gemeinsam gegangen werden soll.

Die geladenen Expertinnen und Experten (u.a. Patrica Schlesinger, Intendantin des RBB, Kirsten Niehuus, Intendantin des Medienboard Berlin Brandenburg GmbH, Michael Lehmann, geschäftsführender Vor- stand von Studio Hamburg, Claudia Tronnier, Leiterin ZDF Kleines Fernsehspiel) waren sich einig, dass noch viel getan werden muss, damit mehr Frauen in der Film- und Fernsehbranche engagagiert werden. Bis jetzt liegt die Zahl der beschäftigten Regisseurinnen in den Primetime-Formaten von ARD und ZDF bei durchschnittlich 12 Prozent. (Quelle: Studie, BKM, 2015 & BVR-Bericht, 2016) 

Das Interesse wurde von allen Seiten mehrfach bekundet. In diesem Zusammenhang wurde auch debattiert, wie der Wiedereinstieg nach Familienzeiten erleichtert werden kann.

Stereotype Wahrnehmungskriterien verhindern, dass Regisseurinnen engagiert werden. 

Zur Sprache kamen auch die üblichen Vorurteile und häufigsten Ablehnungsgründe gegenüber Regisseurinnen:

•Film als Hochleistungsindustrie könne nur erfahrene Regisseure beschäftigen, die mit den knappen Drehzeiten zurechtkämen.

•Man gehe lieber auf Nummer sicher und setze auf das Bewährte.

•Man traue Frauen höhere Budgets weniger zu.
Stereotype lassen sich aufbrechen, indem mehr Frauen vor und hinter der Kamera engagiert werden.
Die Quintessenz des Tages war: Am Gender Pay Gap in der Film- und Fernsehbranche und insbesondere bei der Regie muss dringend etwas geändert werden.
Das gute ist: Jede/r Einzelne kann sofort damit anfangen.
Das Studio Hamburg unter Leitung von Michael Lehmann geht mit gutem Beispiel voran und praktiziert das seit fünf Jahren mit guten Erfahrungen: In der Serie Großstadtrevier wird die 50/50 Quote 2017 bereits umgesetzt sein.

Workshops 

In zwei Workshops KINO und FERNSEHEN unter der Leitung von Ama Walton und Henrike von Platen wurden wirksame und machbare Maßnahmen diskutiert. Aus den Ergebnissen haben wir gemeinsam einen Maßnahmenkatalog zusammengestellt.

Manche Vorschläge bedürfen nur eines mutigen Voranschreitens einzelner Entscheidungsträger*innen, andere brauchen einen längeren Atem, wieder andere erscheinen utopisch, andere machbar.

Das wichtigste aber können wir alle sofort machen: Bewusstsein für die Schie age entwickeln und sie beseitigen. Hierzu kamen viele Vorschläge.

Lohngerechtigkeit und damit Gleichstellung kann einfach sein 

Die folgenden Maßnahmen für Entscheider*innen in Sendern, Produktionen und Filmförderung lassen sich sofort umsetzen: 

1.Einfach ab sofort mehr Regisseurinnen beschäftigen. Studio Hamburg hat es vorgemacht.

2.Geben Sie im Sender die Parole aus: Regisseurinnen fördern und anstellen.

3.Halten Sie bewusst nach Regisseurinnen und ihren Projekten Ausschau.

4.Auf Vorschlagslisten zu gleichen teilen Frauen und Männer setzen.

5.Lernen Sie Regisseurinnen kennen. Laden Sie sie ein.

6.Schärfen Sie Ihre Netzwerke. PQR kann Ihnen helfen, wir kennen über 400.

7.Sie haben Angst vor dem RISIKO? Bieten Sie ein Shadowing an für interessante Regisseurinnen,
die Ihr Format noch nicht gemacht haben.

8.Sie sind der Chef oder die Che n! Sie haben die Macht etwas zu verändern.

9.Ein kleiner Schritt für Sie, ein großer Schritt in Richtung Emanzipation unserer Gesellschaft.
Seine Sie mutig, schreiten sie voran!

Bewusstseinswandel beginnt im Kopf: Stereotype erkennen und verhindern 

Klischees von Frauen und stereotype Rollenbilder, die in vielen Filmen immer wieder reproduziert werden, prägen unsere Gesellschaft. Es sind diese Stereotype, die verhindern, dass Frauen als kreative starke Persönlichlikeiten wahrgenommen werden, dass Regisseurinnen, die starke Filme machen, mit interessanten Projekten und Budgets beauftragt werden. 

1. Vermeiden Sie stereotype Rollenklischees in Drehbüchern. Weisen Sie in Ihrer Funktion auf Stereotype hin und überlegen sie Alternativen.

2. Implementieren Sie Fortbildungen für Entscheidungsträger*innen bei Sendern und Förderanstalten, damit stereotype Wahrnehmungskriterien hinterfragt, verstanden und vermieden werden können.

3. Wenn Sender und Förderungen NEROPA *(siehe: Neropa) anwenden, um besonders bei Nebenrollen die Rollenbilder zu hinterfragen, können sie effektiv die Beschäftigungslücke zwischen Schauspielern und Schauspielerinnen verringern.
Regelmäßige Beschäftigung von Frauen führt zu mehr Lohngerechtigkeit.

Let’s talk about money… – Sprechen wir über Geld 

Transparenz bei Honoraren ist wichtig, um unfaire, niedrigere Bezahlung zu vermeiden. Reden wir über Geld – im öffentlichen wie im privaten Raum. 

1. Code of Conduct* für Produktionen einführen. Für faire, gerechte und geschlechtergerechte Arbeitsbedingungen und Verteilung der Ressourcen.

2. Gleichstellungsbeauftragte in Berufsverbänden und größeren Produktions rmen einführen, da freie Beschäftigte keine Stelle haben, an die sie sich wenden können.

3.Schaffen Sie einen solidarischen Austauschgeist über Arbeitsbedingungen und Honorare.

4.Frauen müssen lernen, entspannt und selbstbewusst zu verhandeln und zu fordern.
Männer müssen lernen, diese Forderungen zu akzeptieren. Auch hier geht es darum, Stereotype abzubauen. Wenn eine Frau hart verhandelt, wird das meist negativer bewertet als bei einem Mann. Hier greifen ganz alte Geschlechterklischees.

Lohndumping in der Film- und Fernsehbranche betri t Frauen und Männer! 

Gesetzliche Maßnahmen für mehr Lohngerechtigkeit und Transparenz. 

1.RegelmäßigesGender Monitoring für Sender und Kinoförderungen: wieviele Projekte und wieviele Gelder sind an Männer und Frauen gegangen? Entscheidungen begründen.

2. Gendergerechtigkeit als Kriterium für eine Projektvergabe einführen: Das Best Practice Beispiel Schweden zeigt: Eine Zielvorgabe kann sehr schnell etwas erreichen. In Österreich gibt es ein Punktesystem, in Spanien ist die Genderfrage ein Pluspunkt bei der Vergabe von Projekten. Die Frage nach gendergerechter Verteilung der öffentlichen Gelder und Projekte könnte also auch in Deutschland als eines der Kriterien für die Vergabe von Geldern und die Entscheidung für Projekte dienen.

3. Gleichstellungsparagraph in den Rundfunkstaatsverträgen und Medienverträgen verankern. Eine gendergerechte Vergabe öffentlicher Gelder sollte Maßgabe für Sender werden.

4.Eine Quote zur Beschäftigung von Regisseurinnen bei öffentlich-rechtlichen Sendern: Diese Sen- der sind das Nadelöhr zum Filmemachen. Die Beschäftigung im Fernsehen erhöht die Marktpräsenz und schafft in der Konsequenz größere Lohngerechtigkeit. Daher muss hier auf eine gendergerechte Verteilung von Jobs besonders geachtet werden.

5. Vergabegremien divers besetzen.

6.Nur Förderungen genehmigen, wenn Mindesthonorare und soziale Standards eingehalten sind.

7. Verbandsklagerecht* in der Filmbranche einführen.

8.Stelle zur Prüfung der Vergleichbarkeit einrichten.

9.Mehr Gelder für die Entwicklung von Sto en für Kreativteams Drehbuch/Regie unabhängig von Sendern und Produktionsformen bereitstellen.

Regisseurinnen sichtbar machen 

1. Altersdiskriminierung vermeiden. Hier sind wir alle gefragt.

2. Chancen vergeben: für Regisseurinnen, die sich um Wiedereinstieg bemühen oder bisher durchs
Raster gefallen sind.

3. Meet the Makers: ein Programm, das gezielt Regisseurinnen und Redakteur*innen zusammen bringt.

4. Coaching für Vertragsverhandlungen schon in der Ausbildung anbieten.

5. Frauennachwuchs gezielt fördern

6. Wissen verbreiten: Ergebnisse von Studien zum Thema Gendergerechtigkeit in der Film- und Fern-
sehbranche sollten auf einer eigens geschaffenen Plattform abrufbar sein.

7.Mehr Medienpräsenz für Regisseurinnen

8. Frauensolidarität: Frauen sind aufgefordert, gezielt Frauen anzustellen und weiterzubringen.

Die Film- und Fernsehbranche familienfreundlicher gestalten 

Der Wiedereinstieg nach Erziehungszeiten muss selbstverständlich werden. 

1. Erziehungszeiten bei der Marktbewertung und Bezahlung anerkennen.

2.Mit Förderprogrammen einen schnelleren Wiedereinstieg schaffen.

3. Präsenzkultur bewusst durchbrechen: Akzeptanz für flexible Arbeitszeitgestaltung erhöhen. Be- sonders in den Vorbereitungszeiten zum Beispiel können viele Dinge von zu Hause aus erledigt werden. Die Arbeitszeiten können an Kita- und Schulzeiten angepasst werden.

4. Förderprogramme und Geldtöpfe bei Sendern und Filmförderungen aufmachen für Mehraufwand und eine bessere Infrastruktur bezüglich der Kinderbetreuung.( z.B. Flüge nach Hause, Doppelbesetzung einzelner Teammitglieder mit Kindern, damit sie pünktlich Schluss machen können, oder am Wochenende nach Hause fahren können, Wohnmobile für Setmitglieder mit Kleinkindern, bzw. Kinderbetreuung am Set). Diese Maßnahmen kommen sowohl Vätern, als auch Müttern zu Gute.

5.Förderungen sollten einen Topf für Mehraufwand für familienfreundliches Drehen einrichten.

6. Kinderbetreuung als neues Gewerk am Set einrichten.

7. Kosten Kinderbetreuung zu Hause bei älteren Kindern absetzbar und förderbar machen.

8.Sender und Förderer müssen für mehr Familienfreundlichkeit und bessere, fairere Bedingungen Geld in die Hand nehmen.

9. KEF sollte darauf achten, dass solche Mehrproduktionsaufwendungen als Ausgaben anerkannt und abgerechnet werden können.

10. Vereinbarkeit von Familie und Beruf vorleben.

Mehr Geld für faire Arbeitsbedingungen und Bezahlungen 

1.DieKEFsollteeinAugenmerkaufdieEinhaltungsozialerStandardsundgendergerechterVerteilung bei Auftragsproduktionen und Kinokoproduktionen haben.
Mehrkosten dafür sollten den Sendern gestattet sein.

2.Bei Auftragsproduktionen muss der Sparkurs aufhören. Auf diesem Wege dürfen keine sozialen Standards unterwandert werden.

3.Eine Enquete-Kommission einführen, um die Arbeitsbedingungen von Urheberinnen und Urhebern in Europa zu untersuchen, zu vergleichen und zu verbessern.

4.Firmen und Verbände sollten Frauennetzwerke unterstützen. (Beispiel: Frauennetzwerk Constantin, ZDF Medienfrauen)

5. Genderbeauftragte für die freien Gewerke in den Filmförderanstalten etablieren.

Pro Quote Regie e.V. www.proquote-regie.de 

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