ProQuote-Regie

„Especially when it comes to public money – it has to be equal.“ Jane Campion, Cannes 2014

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„Zur Sache Schätzchen!“ Pro Quote Regie goes Münchner Filmfest

Posted by on Jun 12, 2017 in FORUM | Keine Kommentare

„Zur Sache, Schätzchen!“
Ein Panel von Pro Quote Regie
auf dem Münchner Filmfest
Am Samstag, den 24. Juni 2017
Beginn 14:30 Uhr
Einlass ab 14:00 Uhr

Black Box im Gasteig
Rosenheimerstrasse 5, 81667 München


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Seit der Gründung 2014 hat Pro Quote Regie viel bewegt. Einer der größten Erfolge ist die aktuelle zweiteilige Studie „Gender und Film“ von der FFA und „Gender und Fernsehfilm von ARD und ZDF.

 

Die Ergebnisse der Studie bestätigen nicht nur die Zahlen von Pro Quote Regie. Sie zeigt wie eklatant das Missverhältnis zwischen Ausbildung und Beschäftigung auch von Frauen in den anderen kreativen Führungspositionen Produktion, Drehbuch, Montage, Kamera, Ton und Szenografie ist. Erstmals wurden die Barrieren für Frauen im Film- und Fernsehgeschäft ermittelt. Es sind vor allem stereotype Wahrnehmungskriterien auf den Entscheidungsebenen und männlich konnotierte Berufsbilder, die Frauen in den kreativen Schlüsselpositionen verhindern. Als weitere Gründe werden „Risikoaversion“ und „Mutlosigkeit“ des öffentlich rechtlichen Rundfunks sowie der FFA genannt.

Die Analyse ist da. Jetzt geht es darum, die Lage nachhaltig zu verändern. Vier Monate nach der Veröffentlichung möchten wir u.a. mit Vertreter*innen von FFA, ARD und ZDF eine erste Bilanz ziehen: Gibt es bereits Maßnahmen und Veränderungen als Folge aus der Studie? Welche Veränderungen werden langfristig angestrebt? Und wir möchten darüber diskutieren, wie die Erkenntnisse aus der Studie zu einer diversen und innovativen Zukunft der Film- und Fernsehbranche beitragen können. Zur Sache, Schätzchen!

 

Das Programm:

24. Juni 2017, 14.00 Uhr
in Black Box, Gasteig, Rosenheimerstrasse 5, 81667 München

Grußwort:
Diana Iljine, Geschäftsführerin der Int. Münchner Filmwochen GmbH und Leiterin des Filmfests München

Einführung:
Barbara Teufel, Vorstand Pro Quote Regie

Keynote:
Lisa Basten, Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung

Auf dem Panel:
Christine Berg, stellvertretender Vorstand der Filmförderungsanstalt FFA
Dunja Bialas, Vorstandsmitglied des Verbandes der deutschen Filmkritik
Robert Franken, digitaler Potenzialentfalter und Feminist
Dr. Norbert Himmler, Programmdirektor des ZDF (angefragt)
Jörg Schönenborn, Fernsehdirektor des WDR (angefragt)

Moderation: Barbara Rohm, Vorstand Pro Quote Regie

Ca. 90 Minuten

 Bitte melden sich sich an unter: JA, ICH MÖCHTE TEILNEHMEN!
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REALTY CHECK IN DER AKADEMIE DER KÜNSTE – DIE KRITIK!

Posted by on Feb 17, 2017 in BERLINALE 2017, DISKURS, EVENTS, FEEDBACK, FORUM, NEWS, PRESSESPIEGEL | Keine Kommentare

Berlinale: Von Frauenquoten, sexualisierter Gewalt vor der Kamera und der Macht des Filmschnitts

DEU, Deutschland, Berlin-Mitte, Akademie der Künste am Pariser Platz, 12.02.2017: "Reality Check - Wissenschaft meets Comedy" - Pro Quote Regie (www.proquote-regie.de). [Foto + ©: Dietmar Gust für Pro Quote Regie; Mobilfon: +49 (0)172 3016574; web: http://www.gustfoto.de, e-mail: info@gustfoto.de]
Mit Entertainment für die Quote. ©: Dietmar Gust für Pro Quote Regie

„Berlinale ist viel mehr als Kino. Es gibt tatsächlich Menschen, die während des Festivals nicht einen einzigen Film sehen, weil sie networken, promoten oder mit anderen eher zwischenmenschlichen Tätigkeiten beschäftigt sind. Zu denen gehöre ich ganz offensichtlich nicht, aber dann und wann verlasse auch ich den Kinosessel, um andere Veranstaltungen zu besuchen, immer dann nämlich, wenn es um Frauen vor und hinter den Kameras geht.

Zum zweiten Mal lud Pro Quote Regie während der Berlinale in die Akademie der Künste ein, dieses Mal mit einem umfangreichen, abwechslungsreichen und vor allem unterhaltsamen Programm. Aus den Aktivistinnen sind wahre Entertainerinnen geworden, die jedem biederen Klischee über Feministinnen widersprechen. Ihr diesjähriges Programm allerdings war besonders umfassend.

Nach einer kleinen Ansprache von Akademie-Präsidentin und Regisseurin Jeanine Meerapfel, in der sie auch die Akademie unter die kritische Gender-Lupe nahm, begrüßte Tatjana Turanskyj in gewohnt quirliger Manier die Anwesenden im Namen von Pro Quote Regie und übergab das Mikro an die Moderatorinnen des Events, Bettina Schoeller und Imogen Kimmel.

Der erste Punkt des Hauptprogramms war die thematische Einführung des Publikums in eine Stereotypenperformance, für die sich nun die Versuchskaninchen Esther Gronenborn und Cornelia Grünberg mit der Schauspielerin Julia Thurnau zurückzogen. Sie führten außerdem den „Man for a Day“-Workshops nach einer Methode von Diane Torr durch und ich konnte einen Blick auf die beiden Regisseurinnen – nun mit Bierbauch und Bart – erhaschen.

Zweiter Programmpunkt: Jutta Brückner und ihre erneut und völlig zu Recht umjubelte Ansprache zu unconscious bias, mit einer Fülle an schlauen Ideen zur Angst aller Geschlechter vor den Veränderungen vorhandener Strukturen und mit sehr konstruktiven Lösungsvorschlägen. „Sich für Gendergerechtigkeit einzusetzen ist keine Frage des Geschlechts, sondern der Intelligenz!“, proklamierte Brückner unter Beifall und stellte dann einen Punkte-Plan vor, mit dessen Hilfe – wenn es nach ihr ginge – sich fortan eine Stiftung der Geschlechtergerechtigkeit vor und hinter der Kamera annehmen solle. Bettina Schoeller versprach, die Rede online zu veröffentlichen. Es lohnt sich also, in den nächsten Tagen mal auf der Webseite von Pro Quote Regie oder ihrem YouTube-Kanal vorbeizuschauen.

Auf die Kampfansage Brückners folgte eine dann im Vergleich doch etwas lasche Diskussionsrunde mit drei Schauspielerinnen, nämlich Nina Kronjäger, Belinde Stieve und Julia Thurnau, über die Rollenbilder im deutschen Film. Bitterkomische Anekdoten sorgten zwar für Lacher, konnten aber inhaltlich nur wenig Neues vermitteln. Belinde Stieve stellte ihr neues Projekt „Augen auf, Mund auf“ vor, mit dem sie uns ab sofort alle motivieren möchte, auf Sexismen, wann immer wir ihnen begegnen, öffentlich aufmerksam zu machen, beispielsweise durch einen Tweet. Den entsprechenden Hashtag nannte sie noch nicht, aber in ihrem Twitter-Feed wird er sicher bald zu finden sein.

Der für mich letzte Punkt der Veranstaltung war der Vortrag von Susanne Foidl, Dozentin an der HFF Konrad Wolf in Potsdam, die dem Publikum die Macht des Filmschnitts hinsichtlich der Konstruktion von Geschlecht verdeutlichte. Film und Fernsehen führte sie als „Weltanschauungsmaschine“ vor, die von Editor*innen quasi beliebig programmiert werden könne. Die von ihr und ihren Studierenden angefertigten filmischen Beispiele waren in der Tat augenöffnend. Am Beispiel einer „Tatort“-Szene zeigt Susanne Foidl etwa wie sich der Blick auf Figuren durch den Schnitt ändern kann. Außerdem gab es einen Vortrag von Dr. Maya Götz, eine Gesangsperformance und vieles mehr. Auch hier hoffe ich auf eine Veröffentlichung der Videoaufzeichnung bei YouTube, sodass alle davon profitieren konnten, die es nicht nach Berlin geschafft haben. (…)“ Sophie Charlotte Rieger, Mizzy Magazine

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Die Wissenschaft hat festgestellt…

Posted by on Feb 5, 2017 in Ziel | Keine Kommentare

„DIE WISSENSCHAFT HAT FESTGESTELLT, …“

dass wir uns vergegenwärtigen müssen, welche historischen und gesellschaftlichen Stereotype wirken, wenn die Arbeit einer Frau beurteilt werden soll. Also:

… dass  die Arbeitsteilung seit Beginn der Menschheit nicht geschlechtspezifisch festgelegt war. Die Vorstellung des jagenden Mannes und der feuerhütenden Frau stammt aus dem 19.Jhdt. und läßt sich wissenschaftlich nicht nachweisen. Nachgewiesen ist dagegen, dass Frauen an Großtierjagden teilnahmen, dass sich in Gräbern von Steinzeitfrauen Waffen und schweres Werkzeug befand und der Eiszeit-Ötzi sein Lederzeug selbst nähte.

(Anke Domscheit-Berg in „Ein bisschen gleich ist nicht genug“, S. 110-12, Heyne-Verlag 2015; http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/anti-emanzipatorische-argumente-steinzeit-fuer-immer-12125657.html )

… dass  heute, Jahrtausende später, der Frauenanteils in einer Profession sich umgekehrt proportional zum Einkommen verhält. Das läßt sich auch im historischen Wandel der Berufe nachweisen. Z.B. wurden die ersten, meist weiblichen Programmiererinnen miserabel entlohnt, der moderne IT-Spezialist ist eher männlich und hoch bezahlt. Dem historisch angesehenen „Sekretär“ folgte die schlecht bezahlte Sekretärin. Das zeigt sich in sämtlichen Berufssparten.

(Anke Domscheit-Berg in „Ein bisschen gleich ist nicht genug“, S. 26/27, Heyne-Verlag 2015; BMFSFJ, Dossier Entgeltungsgleichheit zwischen Männern und Frauen in Deutschland, 2009, S13)

… dass bei der Bewertung von Physikklausuren in 8. Klassen  identische Antworten mit fiktiven Namen bis zu einer Note schlechter bewertet wurden, wenn ein Mädchenname darauf stand.

(Eidgenössischen Hochschule Zürich, https://www.ethz.ch/de/news-und-veranstaltungen/eth-news/news/2016/01/schlechtere-physik-noten-fuer-maedchen.html )

…dass wenn identische Businesspläne den Risikokapitalgebern mal    mit weiblichem, mal mit männlichem Vornamen präsentiert werden, eine Gründerin allein der weibliche Vorname 40 Prozent des potentiellen Finanzierungsvolumens kostet.

(Vivienne Ming, http://www.faz.net/-gqe-8p4dq)

… dass in Galerien vorgelegte identische Gemälde zur Schätzung des Marktwerts mit fiktiven Frauen- und Männernamen ergab: die Gemälde mit Männernamen wurden bis zu einem Drittel höher bewertet.

(Anke Domscheit-Berg in „Ein bisschen gleich ist nicht genug“, S. 114, Heyne-Verlag 2015)

… dass der Anteil von Frauen in allen Bereichen von Wissenschaft und Kunst ist umso geringer ist, je mehr der Glaube an die angeborene intellektuelle Brillanz des Genies vorherrscht.

„Dieses Branding bleibt Frauen verwehrt, man traut ihnen Brillanz nicht zu. Es ist der alte Gedanke, dass nur der Mann Geistigkeit habe, weil Geist aus der Zeugungskraft komme.“

(Jutta Brückner, Rede vom 16.2.2016, http://www.proquote-regie.de/auftritte/)

… dass die Filmrealität der gelebten Realität hinterher hinkt. Nur 20% der Protagonistinnen haben einen Beruf. Als Managerinnen, Politikerinnen oder Wissenschaftlerinnen sieht man sie so gut wie nie. Die sexualisierten Darstellung von Frauen überwiegt signifikant, Deutschland liegt hier im internationalen Vergleich an der Spitze.

Dr. Stacy L. Smith: “Die Ergebnisse zeigen, dass wir weltweit mehr haben als nur ein Filmproblem, wenn es dazu führt, dass Mädchen und Frauen abgewertet werden. Wir haben ein Menschheitsproblem.“

(Studie „ Gender Bias Without Borders“, https://seejane.org/wp-content/uploads/gender-bias-without-borders-executive-summary.pdf)

… dass  nur ca. 30% der Hauptrollen in deutschen Kinderfilmen und Serien mit Mädchen oder Frauen besetztsind. In überdurchschnittlich vielen Filmen haben Frauen weder Namen noch Beruf, sind nur spärlich bekleidet und reden kaum. Dies ist ein weltweites Phänomen. In amerikanischen Blockbustern fanden sich im Jahr 2013 gerade mal 15% weibliche Hauptrollen. (Dr. Maya Götz, http://www.genderundschule.de/index.cfm?uuid=926E511EE780F4212AAC2DFE9B08CD36&and_uuid=6E8F9C5DB8CF67D8BCCBCB4FB7E8614F)

… dass  Mädchen- und Frauenkörper, wie Disney-Filme sie zeigen, nicht existenzfähig wären. Das trifft auf Jungencharaktere nicht zu. (Dr. Maya Götz, http://www.genderundschule.de/index.cfm?uuid=926E511EE780F4212AAC2DFE9B08CD36&and_uuid=6E8F9C5DB8CF67D8BCCBCB4FB7E8614F)

… dass wir in einer Zeit leben, in der die Wirklichkeit von Bildern bestimmt wird. Eine Gesellschaft, die kein Interesse hat an den Geschichten, die ihre Frauen zu erzählen haben, verarmt, und ihr Bild von sich selbst ist verzerrt. Film ist ein Medium, in dem die Herrschaft des Geldes sich mit der Herrschaft über das Unbewusste zusammentut, eine extrem männliche Domäne.

(Jutta Brückner, Rede vom 16.2.2016, http://www.proquote-regie.de/auftritte/)

… dass  sich im Filmkanon, der von der Bundeszentrale für Politische Bildung herausgegeben wird und einen Querschnitt der Filmgeschichte darstellen soll, kein einziger Film einer Regisseurin befindet.

(http://www.bpb.de/veranstaltungen/QUFU7Z,0,0,Filmkanon.html)

Wir Regisseurinnen und unsere Werke existieren bis heute nicht im kollektiven Bewußtsein. Siehe oben. Das muss sich ändern.

… dass Marmelade Schnaps enthält!

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Maßnahmen zur Lohngerechtigkeit

Posted by on Feb 3, 2017 in PQR Akademie | Keine Kommentare

Let’s talk about money – Sprechen wir über Geld! 

Maßnahmen für Lohn- und Gendergerechtigkeit in der Film- und Fernsehbranche Ergebnisse der ersten Fachtagung am 19.1.2017 in den Räumen des BMFSFJ 

Beschäftigung, Marktpräsenz und Bezahlung bilden einen Dreiklang in den freien Berufen der Film-branche, besonders aber in der Regie.
In den zwei Gesprächsrunden KINO und FERNSEHEN wurde diese Korrelation deutlich: Eine Mehrbeschäftigung von Regisseurinnen ist der erste Schritt um den bestehenden Gender Pay Gap von bis zu 36 Prozent zu schließen. Man verständigte sich darauf, dass dies ein wichtiger Schritt sei, der nun gemeinsam gegangen werden soll.

Die geladenen Expertinnen und Experten (u.a. Patrica Schlesinger, Intendantin des RBB, Kirsten Niehuus, Intendantin des Medienboard Berlin Brandenburg GmbH, Michael Lehmann, geschäftsführender Vor- stand von Studio Hamburg, Claudia Tronnier, Leiterin ZDF Kleines Fernsehspiel) waren sich einig, dass noch viel getan werden muss, damit mehr Frauen in der Film- und Fernsehbranche engagagiert werden. Bis jetzt liegt die Zahl der beschäftigten Regisseurinnen in den Primetime-Formaten von ARD und ZDF bei durchschnittlich 12 Prozent. (Quelle: Studie, BKM, 2015 & BVR-Bericht, 2016) 

Das Interesse wurde von allen Seiten mehrfach bekundet. In diesem Zusammenhang wurde auch debattiert, wie der Wiedereinstieg nach Familienzeiten erleichtert werden kann.

Stereotype Wahrnehmungskriterien verhindern, dass Regisseurinnen engagiert werden. 

Zur Sprache kamen auch die üblichen Vorurteile und häufigsten Ablehnungsgründe gegenüber Regisseurinnen:

•Film als Hochleistungsindustrie könne nur erfahrene Regisseure beschäftigen, die mit den knappen Drehzeiten zurechtkämen.

•Man gehe lieber auf Nummer sicher und setze auf das Bewährte.

•Man traue Frauen höhere Budgets weniger zu.
Stereotype lassen sich aufbrechen, indem mehr Frauen vor und hinter der Kamera engagiert werden.
Die Quintessenz des Tages war: Am Gender Pay Gap in der Film- und Fernsehbranche und insbesondere bei der Regie muss dringend etwas geändert werden.
Das gute ist: Jede/r Einzelne kann sofort damit anfangen.
Das Studio Hamburg unter Leitung von Michael Lehmann geht mit gutem Beispiel voran und praktiziert das seit fünf Jahren mit guten Erfahrungen: In der Serie Großstadtrevier wird die 50/50 Quote 2017 bereits umgesetzt sein.

Workshops 

In zwei Workshops KINO und FERNSEHEN unter der Leitung von Ama Walton und Henrike von Platen wurden wirksame und machbare Maßnahmen diskutiert. Aus den Ergebnissen haben wir gemeinsam einen Maßnahmenkatalog zusammengestellt.

Manche Vorschläge bedürfen nur eines mutigen Voranschreitens einzelner Entscheidungsträger*innen, andere brauchen einen längeren Atem, wieder andere erscheinen utopisch, andere machbar.

Das wichtigste aber können wir alle sofort machen: Bewusstsein für die Schie age entwickeln und sie beseitigen. Hierzu kamen viele Vorschläge.

Lohngerechtigkeit und damit Gleichstellung kann einfach sein 

Die folgenden Maßnahmen für Entscheider*innen in Sendern, Produktionen und Filmförderung lassen sich sofort umsetzen: 

1.Einfach ab sofort mehr Regisseurinnen beschäftigen. Studio Hamburg hat es vorgemacht.

2.Geben Sie im Sender die Parole aus: Regisseurinnen fördern und anstellen.

3.Halten Sie bewusst nach Regisseurinnen und ihren Projekten Ausschau.

4.Auf Vorschlagslisten zu gleichen teilen Frauen und Männer setzen.

5.Lernen Sie Regisseurinnen kennen. Laden Sie sie ein.

6.Schärfen Sie Ihre Netzwerke. PQR kann Ihnen helfen, wir kennen über 400.

7.Sie haben Angst vor dem RISIKO? Bieten Sie ein Shadowing an für interessante Regisseurinnen,
die Ihr Format noch nicht gemacht haben.

8.Sie sind der Chef oder die Che n! Sie haben die Macht etwas zu verändern.

9.Ein kleiner Schritt für Sie, ein großer Schritt in Richtung Emanzipation unserer Gesellschaft.
Seine Sie mutig, schreiten sie voran!

Bewusstseinswandel beginnt im Kopf: Stereotype erkennen und verhindern 

Klischees von Frauen und stereotype Rollenbilder, die in vielen Filmen immer wieder reproduziert werden, prägen unsere Gesellschaft. Es sind diese Stereotype, die verhindern, dass Frauen als kreative starke Persönlichlikeiten wahrgenommen werden, dass Regisseurinnen, die starke Filme machen, mit interessanten Projekten und Budgets beauftragt werden. 

1. Vermeiden Sie stereotype Rollenklischees in Drehbüchern. Weisen Sie in Ihrer Funktion auf Stereotype hin und überlegen sie Alternativen.

2. Implementieren Sie Fortbildungen für Entscheidungsträger*innen bei Sendern und Förderanstalten, damit stereotype Wahrnehmungskriterien hinterfragt, verstanden und vermieden werden können.

3. Wenn Sender und Förderungen NEROPA *(siehe: Neropa) anwenden, um besonders bei Nebenrollen die Rollenbilder zu hinterfragen, können sie effektiv die Beschäftigungslücke zwischen Schauspielern und Schauspielerinnen verringern.
Regelmäßige Beschäftigung von Frauen führt zu mehr Lohngerechtigkeit.

Let’s talk about money… – Sprechen wir über Geld 

Transparenz bei Honoraren ist wichtig, um unfaire, niedrigere Bezahlung zu vermeiden. Reden wir über Geld – im öffentlichen wie im privaten Raum. 

1. Code of Conduct* für Produktionen einführen. Für faire, gerechte und geschlechtergerechte Arbeitsbedingungen und Verteilung der Ressourcen.

2. Gleichstellungsbeauftragte in Berufsverbänden und größeren Produktions rmen einführen, da freie Beschäftigte keine Stelle haben, an die sie sich wenden können.

3.Schaffen Sie einen solidarischen Austauschgeist über Arbeitsbedingungen und Honorare.

4.Frauen müssen lernen, entspannt und selbstbewusst zu verhandeln und zu fordern.
Männer müssen lernen, diese Forderungen zu akzeptieren. Auch hier geht es darum, Stereotype abzubauen. Wenn eine Frau hart verhandelt, wird das meist negativer bewertet als bei einem Mann. Hier greifen ganz alte Geschlechterklischees.

Lohndumping in der Film- und Fernsehbranche betri t Frauen und Männer! 

Gesetzliche Maßnahmen für mehr Lohngerechtigkeit und Transparenz. 

1.RegelmäßigesGender Monitoring für Sender und Kinoförderungen: wieviele Projekte und wieviele Gelder sind an Männer und Frauen gegangen? Entscheidungen begründen.

2. Gendergerechtigkeit als Kriterium für eine Projektvergabe einführen: Das Best Practice Beispiel Schweden zeigt: Eine Zielvorgabe kann sehr schnell etwas erreichen. In Österreich gibt es ein Punktesystem, in Spanien ist die Genderfrage ein Pluspunkt bei der Vergabe von Projekten. Die Frage nach gendergerechter Verteilung der öffentlichen Gelder und Projekte könnte also auch in Deutschland als eines der Kriterien für die Vergabe von Geldern und die Entscheidung für Projekte dienen.

3. Gleichstellungsparagraph in den Rundfunkstaatsverträgen und Medienverträgen verankern. Eine gendergerechte Vergabe öffentlicher Gelder sollte Maßgabe für Sender werden.

4.Eine Quote zur Beschäftigung von Regisseurinnen bei öffentlich-rechtlichen Sendern: Diese Sen- der sind das Nadelöhr zum Filmemachen. Die Beschäftigung im Fernsehen erhöht die Marktpräsenz und schafft in der Konsequenz größere Lohngerechtigkeit. Daher muss hier auf eine gendergerechte Verteilung von Jobs besonders geachtet werden.

5. Vergabegremien divers besetzen.

6.Nur Förderungen genehmigen, wenn Mindesthonorare und soziale Standards eingehalten sind.

7. Verbandsklagerecht* in der Filmbranche einführen.

8.Stelle zur Prüfung der Vergleichbarkeit einrichten.

9.Mehr Gelder für die Entwicklung von Sto en für Kreativteams Drehbuch/Regie unabhängig von Sendern und Produktionsformen bereitstellen.

Regisseurinnen sichtbar machen 

1. Altersdiskriminierung vermeiden. Hier sind wir alle gefragt.

2. Chancen vergeben: für Regisseurinnen, die sich um Wiedereinstieg bemühen oder bisher durchs
Raster gefallen sind.

3. Meet the Makers: ein Programm, das gezielt Regisseurinnen und Redakteur*innen zusammen bringt.

4. Coaching für Vertragsverhandlungen schon in der Ausbildung anbieten.

5. Frauennachwuchs gezielt fördern

6. Wissen verbreiten: Ergebnisse von Studien zum Thema Gendergerechtigkeit in der Film- und Fern-
sehbranche sollten auf einer eigens geschaffenen Plattform abrufbar sein.

7.Mehr Medienpräsenz für Regisseurinnen

8. Frauensolidarität: Frauen sind aufgefordert, gezielt Frauen anzustellen und weiterzubringen.

Die Film- und Fernsehbranche familienfreundlicher gestalten 

Der Wiedereinstieg nach Erziehungszeiten muss selbstverständlich werden. 

1. Erziehungszeiten bei der Marktbewertung und Bezahlung anerkennen.

2.Mit Förderprogrammen einen schnelleren Wiedereinstieg schaffen.

3. Präsenzkultur bewusst durchbrechen: Akzeptanz für flexible Arbeitszeitgestaltung erhöhen. Be- sonders in den Vorbereitungszeiten zum Beispiel können viele Dinge von zu Hause aus erledigt werden. Die Arbeitszeiten können an Kita- und Schulzeiten angepasst werden.

4. Förderprogramme und Geldtöpfe bei Sendern und Filmförderungen aufmachen für Mehraufwand und eine bessere Infrastruktur bezüglich der Kinderbetreuung.( z.B. Flüge nach Hause, Doppelbesetzung einzelner Teammitglieder mit Kindern, damit sie pünktlich Schluss machen können, oder am Wochenende nach Hause fahren können, Wohnmobile für Setmitglieder mit Kleinkindern, bzw. Kinderbetreuung am Set). Diese Maßnahmen kommen sowohl Vätern, als auch Müttern zu Gute.

5.Förderungen sollten einen Topf für Mehraufwand für familienfreundliches Drehen einrichten.

6. Kinderbetreuung als neues Gewerk am Set einrichten.

7. Kosten Kinderbetreuung zu Hause bei älteren Kindern absetzbar und förderbar machen.

8.Sender und Förderer müssen für mehr Familienfreundlichkeit und bessere, fairere Bedingungen Geld in die Hand nehmen.

9. KEF sollte darauf achten, dass solche Mehrproduktionsaufwendungen als Ausgaben anerkannt und abgerechnet werden können.

10. Vereinbarkeit von Familie und Beruf vorleben.

Mehr Geld für faire Arbeitsbedingungen und Bezahlungen 

1.DieKEFsollteeinAugenmerkaufdieEinhaltungsozialerStandardsundgendergerechterVerteilung bei Auftragsproduktionen und Kinokoproduktionen haben.
Mehrkosten dafür sollten den Sendern gestattet sein.

2.Bei Auftragsproduktionen muss der Sparkurs aufhören. Auf diesem Wege dürfen keine sozialen Standards unterwandert werden.

3.Eine Enquete-Kommission einführen, um die Arbeitsbedingungen von Urheberinnen und Urhebern in Europa zu untersuchen, zu vergleichen und zu verbessern.

4.Firmen und Verbände sollten Frauennetzwerke unterstützen. (Beispiel: Frauennetzwerk Constantin, ZDF Medienfrauen)

5. Genderbeauftragte für die freien Gewerke in den Filmförderanstalten etablieren.

Pro Quote Regie e.V. www.proquote-regie.de 

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