ProQuote-Regie

„Especially when it comes to public money – it has to be equal.“ Jane Campion, Cannes 2014

Navigation Menu

Die Wissenschaft hat festgestellt…

Posted by on Feb 5, 2017 in Ziel | Keine Kommentare

„DIE WISSENSCHAFT HAT FESTGESTELLT, …“

dass wir uns vergegenwärtigen müssen, welche historischen und gesellschaftlichen Stereotype wirken, wenn die Arbeit einer Frau beurteilt werden soll. Also:

… dass  die Arbeitsteilung seit Beginn der Menschheit nicht geschlechtspezifisch festgelegt war. Die Vorstellung des jagenden Mannes und der feuerhütenden Frau stammt aus dem 19.Jhdt. und läßt sich wissenschaftlich nicht nachweisen. Nachgewiesen ist dagegen, dass Frauen an Großtierjagden teilnahmen, dass sich in Gräbern von Steinzeitfrauen Waffen und schweres Werkzeug befand und der Eiszeit-Ötzi sein Lederzeug selbst nähte.

(Anke Domscheit-Berg in „Ein bisschen gleich ist nicht genug“, S. 110-12, Heyne-Verlag 2015; http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/anti-emanzipatorische-argumente-steinzeit-fuer-immer-12125657.html )

… dass  heute, Jahrtausende später, der Frauenanteils in einer Profession sich umgekehrt proportional zum Einkommen verhält. Das läßt sich auch im historischen Wandel der Berufe nachweisen. Z.B. wurden die ersten, meist weiblichen Programmiererinnen miserabel entlohnt, der moderne IT-Spezialist ist eher männlich und hoch bezahlt. Dem historisch angesehenen „Sekretär“ folgte die schlecht bezahlte Sekretärin. Das zeigt sich in sämtlichen Berufssparten.

(Anke Domscheit-Berg in „Ein bisschen gleich ist nicht genug“, S. 26/27, Heyne-Verlag 2015; BMFSFJ, Dossier Entgeltungsgleichheit zwischen Männern und Frauen in Deutschland, 2009, S13)

… dass bei der Bewertung von Physikklausuren in 8. Klassen  identische Antworten mit fiktiven Namen bis zu einer Note schlechter bewertet wurden, wenn ein Mädchenname darauf stand.

(Eidgenössischen Hochschule Zürich, https://www.ethz.ch/de/news-und-veranstaltungen/eth-news/news/2016/01/schlechtere-physik-noten-fuer-maedchen.html )

…dass wenn identische Businesspläne den Risikokapitalgebern mal    mit weiblichem, mal mit männlichem Vornamen präsentiert werden, eine Gründerin allein der weibliche Vorname 40 Prozent des potentiellen Finanzierungsvolumens kostet.

(Vivienne Ming, http://www.faz.net/-gqe-8p4dq)

… dass in Galerien vorgelegte identische Gemälde zur Schätzung des Marktwerts mit fiktiven Frauen- und Männernamen ergab: die Gemälde mit Männernamen wurden bis zu einem Drittel höher bewertet.

(Anke Domscheit-Berg in „Ein bisschen gleich ist nicht genug“, S. 114, Heyne-Verlag 2015)

… dass der Anteil von Frauen in allen Bereichen von Wissenschaft und Kunst ist umso geringer ist, je mehr der Glaube an die angeborene intellektuelle Brillanz des Genies vorherrscht.

„Dieses Branding bleibt Frauen verwehrt, man traut ihnen Brillanz nicht zu. Es ist der alte Gedanke, dass nur der Mann Geistigkeit habe, weil Geist aus der Zeugungskraft komme.“

(Jutta Brückner, Rede vom 16.2.2016, http://www.proquote-regie.de/auftritte/)

… dass die Filmrealität der gelebten Realität hinterher hinkt. Nur 20% der Protagonistinnen haben einen Beruf. Als Managerinnen, Politikerinnen oder Wissenschaftlerinnen sieht man sie so gut wie nie. Die sexualisierten Darstellung von Frauen überwiegt signifikant, Deutschland liegt hier im internationalen Vergleich an der Spitze.

Dr. Stacy L. Smith: “Die Ergebnisse zeigen, dass wir weltweit mehr haben als nur ein Filmproblem, wenn es dazu führt, dass Mädchen und Frauen abgewertet werden. Wir haben ein Menschheitsproblem.“

(Studie „ Gender Bias Without Borders“, https://seejane.org/wp-content/uploads/gender-bias-without-borders-executive-summary.pdf)

… dass  nur ca. 30% der Hauptrollen in deutschen Kinderfilmen und Serien mit Mädchen oder Frauen besetztsind. In überdurchschnittlich vielen Filmen haben Frauen weder Namen noch Beruf, sind nur spärlich bekleidet und reden kaum. Dies ist ein weltweites Phänomen. In amerikanischen Blockbustern fanden sich im Jahr 2013 gerade mal 15% weibliche Hauptrollen. (Dr. Maya Götz, http://www.genderundschule.de/index.cfm?uuid=926E511EE780F4212AAC2DFE9B08CD36&and_uuid=6E8F9C5DB8CF67D8BCCBCB4FB7E8614F)

… dass  Mädchen- und Frauenkörper, wie Disney-Filme sie zeigen, nicht existenzfähig wären. Das trifft auf Jungencharaktere nicht zu. (Dr. Maya Götz, http://www.genderundschule.de/index.cfm?uuid=926E511EE780F4212AAC2DFE9B08CD36&and_uuid=6E8F9C5DB8CF67D8BCCBCB4FB7E8614F)

… dass wir in einer Zeit leben, in der die Wirklichkeit von Bildern bestimmt wird. Eine Gesellschaft, die kein Interesse hat an den Geschichten, die ihre Frauen zu erzählen haben, verarmt, und ihr Bild von sich selbst ist verzerrt. Film ist ein Medium, in dem die Herrschaft des Geldes sich mit der Herrschaft über das Unbewusste zusammentut, eine extrem männliche Domäne.

(Jutta Brückner, Rede vom 16.2.2016, http://www.proquote-regie.de/auftritte/)

… dass  sich im Filmkanon, der von der Bundeszentrale für Politische Bildung herausgegeben wird und einen Querschnitt der Filmgeschichte darstellen soll, kein einziger Film einer Regisseurin befindet.

(http://www.bpb.de/veranstaltungen/QUFU7Z,0,0,Filmkanon.html)

Wir Regisseurinnen und unsere Werke existieren bis heute nicht im kollektiven Bewußtsein. Siehe oben. Das muss sich ändern.

… dass Marmelade Schnaps enthält!

Mehr

Maßnahmen zur Lohngerechtigkeit

Posted by on Feb 3, 2017 in PQR Akademie | Keine Kommentare

Let’s talk about money – Sprechen wir über Geld! 

Maßnahmen für Lohn- und Gendergerechtigkeit in der Film- und Fernsehbranche Ergebnisse der ersten Fachtagung am 19.1.2017 in den Räumen des BMFSFJ 

Beschäftigung, Marktpräsenz und Bezahlung bilden einen Dreiklang in den freien Berufen der Film-branche, besonders aber in der Regie.
In den zwei Gesprächsrunden KINO und FERNSEHEN wurde diese Korrelation deutlich: Eine Mehrbeschäftigung von Regisseurinnen ist der erste Schritt um den bestehenden Gender Pay Gap von bis zu 36 Prozent zu schließen. Man verständigte sich darauf, dass dies ein wichtiger Schritt sei, der nun gemeinsam gegangen werden soll.

Die geladenen Expertinnen und Experten (u.a. Patrica Schlesinger, Intendantin des RBB, Kirsten Niehuus, Intendantin des Medienboard Berlin Brandenburg GmbH, Michael Lehmann, geschäftsführender Vor- stand von Studio Hamburg, Claudia Tronnier, Leiterin ZDF Kleines Fernsehspiel) waren sich einig, dass noch viel getan werden muss, damit mehr Frauen in der Film- und Fernsehbranche engagagiert werden. Bis jetzt liegt die Zahl der beschäftigten Regisseurinnen in den Primetime-Formaten von ARD und ZDF bei durchschnittlich 12 Prozent. (Quelle: Studie, BKM, 2015 & BVR-Bericht, 2016) 

Das Interesse wurde von allen Seiten mehrfach bekundet. In diesem Zusammenhang wurde auch debattiert, wie der Wiedereinstieg nach Familienzeiten erleichtert werden kann.

Stereotype Wahrnehmungskriterien verhindern, dass Regisseurinnen engagiert werden. 

Zur Sprache kamen auch die üblichen Vorurteile und häufigsten Ablehnungsgründe gegenüber Regisseurinnen:

•Film als Hochleistungsindustrie könne nur erfahrene Regisseure beschäftigen, die mit den knappen Drehzeiten zurechtkämen.

•Man gehe lieber auf Nummer sicher und setze auf das Bewährte.

•Man traue Frauen höhere Budgets weniger zu.
Stereotype lassen sich aufbrechen, indem mehr Frauen vor und hinter der Kamera engagiert werden.
Die Quintessenz des Tages war: Am Gender Pay Gap in der Film- und Fernsehbranche und insbesondere bei der Regie muss dringend etwas geändert werden.
Das gute ist: Jede/r Einzelne kann sofort damit anfangen.
Das Studio Hamburg unter Leitung von Michael Lehmann geht mit gutem Beispiel voran und praktiziert das seit fünf Jahren mit guten Erfahrungen: In der Serie Großstadtrevier wird die 50/50 Quote 2017 bereits umgesetzt sein.

Workshops 

In zwei Workshops KINO und FERNSEHEN unter der Leitung von Ama Walton und Henrike von Platen wurden wirksame und machbare Maßnahmen diskutiert. Aus den Ergebnissen haben wir gemeinsam einen Maßnahmenkatalog zusammengestellt.

Manche Vorschläge bedürfen nur eines mutigen Voranschreitens einzelner Entscheidungsträger*innen, andere brauchen einen längeren Atem, wieder andere erscheinen utopisch, andere machbar.

Das wichtigste aber können wir alle sofort machen: Bewusstsein für die Schie age entwickeln und sie beseitigen. Hierzu kamen viele Vorschläge.

Lohngerechtigkeit und damit Gleichstellung kann einfach sein 

Die folgenden Maßnahmen für Entscheider*innen in Sendern, Produktionen und Filmförderung lassen sich sofort umsetzen: 

1.Einfach ab sofort mehr Regisseurinnen beschäftigen. Studio Hamburg hat es vorgemacht.

2.Geben Sie im Sender die Parole aus: Regisseurinnen fördern und anstellen.

3.Halten Sie bewusst nach Regisseurinnen und ihren Projekten Ausschau.

4.Auf Vorschlagslisten zu gleichen teilen Frauen und Männer setzen.

5.Lernen Sie Regisseurinnen kennen. Laden Sie sie ein.

6.Schärfen Sie Ihre Netzwerke. PQR kann Ihnen helfen, wir kennen über 400.

7.Sie haben Angst vor dem RISIKO? Bieten Sie ein Shadowing an für interessante Regisseurinnen,
die Ihr Format noch nicht gemacht haben.

8.Sie sind der Chef oder die Che n! Sie haben die Macht etwas zu verändern.

9.Ein kleiner Schritt für Sie, ein großer Schritt in Richtung Emanzipation unserer Gesellschaft.
Seine Sie mutig, schreiten sie voran!

Bewusstseinswandel beginnt im Kopf: Stereotype erkennen und verhindern 

Klischees von Frauen und stereotype Rollenbilder, die in vielen Filmen immer wieder reproduziert werden, prägen unsere Gesellschaft. Es sind diese Stereotype, die verhindern, dass Frauen als kreative starke Persönlichlikeiten wahrgenommen werden, dass Regisseurinnen, die starke Filme machen, mit interessanten Projekten und Budgets beauftragt werden. 

1. Vermeiden Sie stereotype Rollenklischees in Drehbüchern. Weisen Sie in Ihrer Funktion auf Stereotype hin und überlegen sie Alternativen.

2. Implementieren Sie Fortbildungen für Entscheidungsträger*innen bei Sendern und Förderanstalten, damit stereotype Wahrnehmungskriterien hinterfragt, verstanden und vermieden werden können.

3. Wenn Sender und Förderungen NEROPA *(siehe: Neropa) anwenden, um besonders bei Nebenrollen die Rollenbilder zu hinterfragen, können sie effektiv die Beschäftigungslücke zwischen Schauspielern und Schauspielerinnen verringern.
Regelmäßige Beschäftigung von Frauen führt zu mehr Lohngerechtigkeit.

Let’s talk about money… – Sprechen wir über Geld 

Transparenz bei Honoraren ist wichtig, um unfaire, niedrigere Bezahlung zu vermeiden. Reden wir über Geld – im öffentlichen wie im privaten Raum. 

1. Code of Conduct* für Produktionen einführen. Für faire, gerechte und geschlechtergerechte Arbeitsbedingungen und Verteilung der Ressourcen.

2. Gleichstellungsbeauftragte in Berufsverbänden und größeren Produktions rmen einführen, da freie Beschäftigte keine Stelle haben, an die sie sich wenden können.

3.Schaffen Sie einen solidarischen Austauschgeist über Arbeitsbedingungen und Honorare.

4.Frauen müssen lernen, entspannt und selbstbewusst zu verhandeln und zu fordern.
Männer müssen lernen, diese Forderungen zu akzeptieren. Auch hier geht es darum, Stereotype abzubauen. Wenn eine Frau hart verhandelt, wird das meist negativer bewertet als bei einem Mann. Hier greifen ganz alte Geschlechterklischees.

Lohndumping in der Film- und Fernsehbranche betri t Frauen und Männer! 

Gesetzliche Maßnahmen für mehr Lohngerechtigkeit und Transparenz. 

1.RegelmäßigesGender Monitoring für Sender und Kinoförderungen: wieviele Projekte und wieviele Gelder sind an Männer und Frauen gegangen? Entscheidungen begründen.

2. Gendergerechtigkeit als Kriterium für eine Projektvergabe einführen: Das Best Practice Beispiel Schweden zeigt: Eine Zielvorgabe kann sehr schnell etwas erreichen. In Österreich gibt es ein Punktesystem, in Spanien ist die Genderfrage ein Pluspunkt bei der Vergabe von Projekten. Die Frage nach gendergerechter Verteilung der öffentlichen Gelder und Projekte könnte also auch in Deutschland als eines der Kriterien für die Vergabe von Geldern und die Entscheidung für Projekte dienen.

3. Gleichstellungsparagraph in den Rundfunkstaatsverträgen und Medienverträgen verankern. Eine gendergerechte Vergabe öffentlicher Gelder sollte Maßgabe für Sender werden.

4.Eine Quote zur Beschäftigung von Regisseurinnen bei öffentlich-rechtlichen Sendern: Diese Sen- der sind das Nadelöhr zum Filmemachen. Die Beschäftigung im Fernsehen erhöht die Marktpräsenz und schafft in der Konsequenz größere Lohngerechtigkeit. Daher muss hier auf eine gendergerechte Verteilung von Jobs besonders geachtet werden.

5. Vergabegremien divers besetzen.

6.Nur Förderungen genehmigen, wenn Mindesthonorare und soziale Standards eingehalten sind.

7. Verbandsklagerecht* in der Filmbranche einführen.

8.Stelle zur Prüfung der Vergleichbarkeit einrichten.

9.Mehr Gelder für die Entwicklung von Sto en für Kreativteams Drehbuch/Regie unabhängig von Sendern und Produktionsformen bereitstellen.

Regisseurinnen sichtbar machen 

1. Altersdiskriminierung vermeiden. Hier sind wir alle gefragt.

2. Chancen vergeben: für Regisseurinnen, die sich um Wiedereinstieg bemühen oder bisher durchs
Raster gefallen sind.

3. Meet the Makers: ein Programm, das gezielt Regisseurinnen und Redakteur*innen zusammen bringt.

4. Coaching für Vertragsverhandlungen schon in der Ausbildung anbieten.

5. Frauennachwuchs gezielt fördern

6. Wissen verbreiten: Ergebnisse von Studien zum Thema Gendergerechtigkeit in der Film- und Fern-
sehbranche sollten auf einer eigens geschaffenen Plattform abrufbar sein.

7.Mehr Medienpräsenz für Regisseurinnen

8. Frauensolidarität: Frauen sind aufgefordert, gezielt Frauen anzustellen und weiterzubringen.

Die Film- und Fernsehbranche familienfreundlicher gestalten 

Der Wiedereinstieg nach Erziehungszeiten muss selbstverständlich werden. 

1. Erziehungszeiten bei der Marktbewertung und Bezahlung anerkennen.

2.Mit Förderprogrammen einen schnelleren Wiedereinstieg schaffen.

3. Präsenzkultur bewusst durchbrechen: Akzeptanz für flexible Arbeitszeitgestaltung erhöhen. Be- sonders in den Vorbereitungszeiten zum Beispiel können viele Dinge von zu Hause aus erledigt werden. Die Arbeitszeiten können an Kita- und Schulzeiten angepasst werden.

4. Förderprogramme und Geldtöpfe bei Sendern und Filmförderungen aufmachen für Mehraufwand und eine bessere Infrastruktur bezüglich der Kinderbetreuung.( z.B. Flüge nach Hause, Doppelbesetzung einzelner Teammitglieder mit Kindern, damit sie pünktlich Schluss machen können, oder am Wochenende nach Hause fahren können, Wohnmobile für Setmitglieder mit Kleinkindern, bzw. Kinderbetreuung am Set). Diese Maßnahmen kommen sowohl Vätern, als auch Müttern zu Gute.

5.Förderungen sollten einen Topf für Mehraufwand für familienfreundliches Drehen einrichten.

6. Kinderbetreuung als neues Gewerk am Set einrichten.

7. Kosten Kinderbetreuung zu Hause bei älteren Kindern absetzbar und förderbar machen.

8.Sender und Förderer müssen für mehr Familienfreundlichkeit und bessere, fairere Bedingungen Geld in die Hand nehmen.

9. KEF sollte darauf achten, dass solche Mehrproduktionsaufwendungen als Ausgaben anerkannt und abgerechnet werden können.

10. Vereinbarkeit von Familie und Beruf vorleben.

Mehr Geld für faire Arbeitsbedingungen und Bezahlungen 

1.DieKEFsollteeinAugenmerkaufdieEinhaltungsozialerStandardsundgendergerechterVerteilung bei Auftragsproduktionen und Kinokoproduktionen haben.
Mehrkosten dafür sollten den Sendern gestattet sein.

2.Bei Auftragsproduktionen muss der Sparkurs aufhören. Auf diesem Wege dürfen keine sozialen Standards unterwandert werden.

3.Eine Enquete-Kommission einführen, um die Arbeitsbedingungen von Urheberinnen und Urhebern in Europa zu untersuchen, zu vergleichen und zu verbessern.

4.Firmen und Verbände sollten Frauennetzwerke unterstützen. (Beispiel: Frauennetzwerk Constantin, ZDF Medienfrauen)

5. Genderbeauftragte für die freien Gewerke in den Filmförderanstalten etablieren.

Pro Quote Regie e.V. www.proquote-regie.de 

Mehr

Die Story von Pro Quote Regie

Posted by on Feb 3, 2017 in BERLINALE 2017 | Keine Kommentare

Die Story von Pro Quote Regie – kein Märchen! 

Es waren einmal 

Weil in einem Artikel des Branchenblatts Blackbox: Kino verheerende Beschäftigungszahlen von Regisseurinnen auftauchen, treffen sich 2013 einige Regisseurinnen, um die berufliche Situation in einer männerdominierten Branche zu verändern. Zunächst zählen sie die Fernsehserien und Fernsehfilme, bei denen eine Regisseurin beschäftigt wurde. Das Ergebnis ist schockierend: Nur elf Prozent aller Sendeminuten im TV entstehen 2013 unter weiblicher Regie.

zwölf Frauen, die zogen los 

Sie rufen ein Treffen mit Regisseurinnen auf der Berlinale 2014 ins Leben und zwölf Frauen steigen in den Ring, um für mehr Geschlechtergerechtigkeit in der Film- und Fernsehwelt zu kämpfen. Dieser Kern gründet den gemeinnützigen Verein Pro Quote Regie e.V..
Zwei Regisseurinnen werden in den Vorstand des Bundesverbands Regie gewählt und geben fortan den Diversitätsbericht heraus. Die Zahlen des BVR bestätigen die Erhebungen der Aktivistinnen. Fest steht nun: Dass Regisseurinnen trotz Preisen, Erfolgen und Erfahrung kaum gebucht werden, hat strukturelle Gründe. Nach 45 Jahren erfolgloser Selbstverpflichtung gibt es nur einen Weg: die Quote!

und forderten Geschlechtergerechtigkeit 

Der Verein fordert in seinem Gang an die Öffentlichkeit am 14. Oktober 2014: • paritätische Besetzung der Gremien
• eine Studie zur Situation von Regisseurinnen in Deutschland
• die Quote:

30% bis 2017 – weil 30% die kritische Masse ist, ab der ein „Diversity Effect“ erreicht wird 42% bis 2019 – weil das dem Anteil der Regieabsolventinnen entspricht.
Seit 1990 ist die Zahl der Filmhochschulabgängerinnen nahezu paritätisch
50% bis 2024 fifty fifty – weil sie an die Gleichheit der Geschlechter glauben

viele schlossen sich an 

Zur 1. Pressekonferenz im Oktober 2014 haben 180 Regisseurinnen den Aufruf unterschrieben, mittlerweile vereint Pro Quote Regie die Stimmen von über 400 Regisseurinnen und 500 namhaften Branchenvertreter*innen auf sich. Diese Unterstützung stellt die Forderungen nach einer Quote in der Filmbranche auf eine stabile Basis. Mit einer Förderung durch das Familienministerium unter Manuela Schwesig, der FFA, Christine Berg, und des Medienboards, Kirsten Niehuus, entwickelt Pro Quote Regie zum dritten Mal in Folge fulminante Berlinale-Auftritte mit Panels, Filmwettbewerben, Interviews, social-media Kampagnen und Umfragen. Die Bubble, das transparente PQR Multimediazelt auf dem Potsdamer Platz, ist längst eine Berlinale-Institution. „Die Quote ist blind“, sagt der Kultur- wissenschaftler Diederich Diederichsen auf dem 1. PQR Berlinale Panel Open the Bubble – open your mind am 9.2.2015 in der Landesvertretung Hamburg/Schleswig-Holstein. „Sie schaut nicht nach Alter, Hautfarbe oder Geschlecht. Die Quote bietet allen gleichermaßen Zugang zu Ressourcen. Da, wo öffentliche Gelder vergeben werden, sind gezielte Maßnahmen notwendig, um die jetzige Schieflage zu beseitigen und mehr Vielfalt und Diversität zum Durchbruch zu verhelfen.“ Dieter Kosslick ruft 2015 die „Berlinale der starken Frauen“ aus, obwohl nur 3% der Wettbewerbs Filme von Frauen sind. Doch die Bewegung von Pro Quote Regie hat erreicht, dass die Frauen der Filmbranche in den Mittelpunkt rücken. „Filmgöttinnen. Sie sind schön, sie sind selbstbewusst, sie haben ihre Schicksale und Geschichten“, lautet eine Überschrift des Berliner Kurier zur Berlinale 2015. Die Bereitschaft und die Neugierde, Filme von und mit ungewöhnlichen Frauenrollen zu sehen, wächst. Die Initiatorinnen haben die breite Be- völkerung mit ihrer Bewegung erreicht.

Gefühle wurden bestätigt 

Die Bewegung von Pro Quote Regie erregt internationale Aufmerksamkeit und eine PQR Delegation tritt bei den Filmfestspielen in Cannes auf. Kulturstaatsministerin Monika Grütters greift die Forderung der Aktivistinnen auf: Sie gibt eine Studie für den Kulturbetrieb in Auftrag. Der Kulturrat verö ffentlicht sie im Juni 2016 unter dem Titel Frauen in Kultur und Medien. Was der Verein Pro Quote Regie bei seinem Gang an die Ö entlichkeit 2014 verkündete, wird nun durch die Studie offziell bestätigt: Frauen in der Kultur und in der Kreativbranche sind unterrepräsentiert und schlecht bezahlt. Beträgt der Gender-Pay-Gap in Deutschland allgemein 21 Prozent, liegt er im Kulturbereich bei 30 Prozent und in der Filmregie bei 36 Prozent. Als Folge der Ergebnisse der Studie veranlasst die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien einen runden Tisch im Bundeskanzleramt, um Vorschläge zu mehr Geschlechtergerechtigkeit auf den Weg zu bringen. Im Auftrag von der FFA und Christine Berg wird eine Studie zur Ursachenforschung für die prekäre Situation von Frauen in Filmberufen in Auftrag gegeben. Sie erscheint im Februar 2017. Inzwischen ist Pro Quote Regie die größte Interessenvertretung weiblicher Filmschaffender in Deutschland und eine wichtige Stimme zum Thema Geschlechtergerechtigkeit in der Filmbranche.

Türen ö neten sich 

2015 wagt Christine Strobl (DEGETO) den Vorstoß und spricht sich für eine Regisseurinnenquote von 20 Prozent für den Filmmittwoch im Ersten aus. 2016 schließen sich Jörg Schönbrunn und Gebhard Henke (ARD Filmmittwoch, Polizeiruf und Tatort) an. Wenig später verkündet Karola Wille eine 20% Quote für das gesamte Sendeprogramm der ARD. Diese Zugeständnisse erfolgen unter der Voraus- setzung, dass die „Qualität der Filme nicht darunter leide“. Der Verein beweist im Umkehrschluss in seiner Kampagne 2016, dass es für den Qualitätsbegri keine verbindliche De nition gibt. Die Produktionsfirma Studio Hamburg/Letterbox ist sich der Qualität weiblicher Filmschaffender bewusst. Auf einer Premierenfeier 2016 verkündet der Geschäftsführer Michael Lehmann als erster Produzent das Ziel, bis 2017 eine 50/50 Quote bei der Regievergabe erreichen zu wollen. Prof. Carl Bergengruen, Geschäftsführer der MfG Filmförderung lädt mit dem SWR unter Leitung von Fiction Che n Martina Zöllner nach Baden-Baden ein, um gemeinsam über die Gründe für die mangelnde Beschäftigung von Regisseurinnen zu sprechen und Vorurteilen im Gespräch zu begegnen. Das Ergebnis: Ab sofort müssen auf der Vorschlagsliste für Regiebesetzungen in fiktionalen Programmen des SWR zum gleichen Anteil Frauennamen auftauchen. Doch vielen sind die Filmemacherinnen kaum bekannt.

sie wurden empfangen 

Als nächsten Schritt macht PQR Regisseurinnen sichtbar. Listen und Plakate entstehen, in Newslettern werden Filmemacherinnen vorgestellt. Die Unterlagen gehen an Produktionsfirmen und Redaktionen. Wikipedia Seminare verhelfen weiblichen Filmschaffenden zum perfekten Internetauftritt. Die Initiatorinnen von Pro Quote Regie organisieren Panels und Netzwerktreffen auf den großen deutschen Filmfestivals in Hamburg, Berlin, München und zu den Medientagen. Gäste von Pro Quote Regie sind Karola Wille, Intendantin der ARD, Manfred Schmidt, Geschäftsführer MDM, Doris Dörrie, Autorin und Regisseurin, Margarethe von Trotta, Autorin und Regisseurin, Uli Aselmann, Produzentenalli- anz, Michael Lehmann, Produzent Studio Hamburg/Letterbox, Kirsten Niehuus, Intendantin Medienboard, um nur einige zu nennen. Die Regisseurinnen halten Reden und Vorträge vor dem österreichischen Parlament in Wien, vor der SACD in Namur, Belgien, bei internationalen Frauenverbänden wie den Rotarierfrauen, bei Workshops internationaler Banken und vor dem europäischen Parlament. Sigmar Gabriel nimmt auf einem Podium zu PQR die verheerenden Beschäftigungszahlen von Regisseurinnen konsterniert zur Kenntnis. Die Geschlechtergleichstellung ist ein ursozialdemokratisches Anliegen. Der gemeinnützige Verein führt Gespräche mit Bundestagsabgeordneten verschiedener Parteien, unter Anderem Ulle Schauws (die Grünen) und Tabea Rößner (die Grünen), Elke Ferner (SPD) und Manuela Schwesig (SPD), Silke Hupach (Die Linke) und Cornelia Möhring (Die Linke), Eva Högl (Vize-Bundesvorsitzende SPD). Ihre politischen Forderungen werden weitergetragen und die Aktivistinnen als Rednerinnen eingeladen.

und zogen vom Wohnzimmer in den Bundestag 

2016 ist das Jahr der Politik: Pro Quote Regie sitzt am runden Tisch zur Novellierung des Filmfördergesetzes und hält Reden im Bundeskulturausschuss. Am 10. November 2016 wird das neue FFG im Bundestag verlesen. Die Bundestagsabgeordneten Harald Petzold (Die Linke) und Tabea Rößner (Die Grünen) bedanken sich bei Pro Quote Regie auf der Besuchertribüne: Auch Dank des Engagements des Vereins ist mehr Parität per Gesetz im Filmfördergesetz aufgenommen worden. Eine Gleichstellungspräambel mit dem Bekenntnis zur Selbstverpflichtung sowie eine paritätische Besetzung der Gremien sind im neuen FFG fest verankert worden. Insgesamt sollen die sozialen Standards in der Filmbranche angehoben und besser kontrolliert werden.

und weil sie nicht gestorben sind 

Die Quotenforderung aus der Filmregie hat sich auf den Kulturbetrieb ausgeweitet: Pro Quote Dok ist gegründet, die Bloggerin und Schauspielerin Belinde Stieve gründet die Initiative Neropa, der BFFS hat sich Lohn- und Gendergerechtigkeit auf die Fahne geschrieben und erhebt erste Zahlen, die Frauen im Bundesverband Bildender Künstler (BBK) haben sich formiert, die Theaterregisseurinnen schlie- ßen sich der Bewegung an, Pro Quote Medizin ist auf dem Vormarsch. Maria Furtwängler gründet eine Stiftung und initiiert eine Studie zu Rollenbildern, Pro Quote Regie Mitglied Isabel Suba führt ein Mentoringprogramm für junge Filmemacherinnen durch. Pro Quote Regie bietet Informationen, steht mit Rat und Tat zur Seite und bietet einen kontinuierlichen Austausch und ein Forum für professionelle Zusammenarbeit. Der Verein ist mit internationalen lm- und medienpolitischen Verbänden vernetzt. In regelmäßigen Newslettern werden die Filme der Mitglieder beworben, werden Regisseurinnen mit ihrer Arbeit sichtbar gemacht. Durch Kooperationen mit Firmen aus der Filmbranche bekommen Mitglieder gesonderte Konditionen, um ihre Filme zu realisieren.

bestehen die Forderungen noch immer 

Noch sind die Forderungen von Pro Quote Regie nicht erreicht. Wo ö entliche Gelder vergeben werden, sind gezielte Maßnahmen notwendig, um die noch immer bestehende Schieflage zu beseitigen, um mehr Vielfalt und Diversität zum Durchbruch zu verhelfen. Pro Quote Regie fordert eine paritätische und zeitgemäße Besetzung der Rundfunkräte. Ein verp ichtendes, regelmäßiges Gendermonitoring für Sende- und Filmförderanstalten. Eine Quote für die Besetzung der kreativen Schlüsselpositionen Regie, Drehbuch und Produktion. Das öffentlich-rechtliche Fernsehen als wichtiges kulturprägendes Element hat einen Bildungsauftrag: stereotype Rollenbilder müssen hinterfragt werden, wir brauchen moderne Role-Models für unsere Töchter und Söhne. Nur ein grundlegender Bewusstseinswandel kann die Filmwirtschaft diverser, gendergerechter und damit zukunftssicher gestalten.

Und jetzt sind Sie gefragt! 

Und Sie? Schließen auch Sie sich der wachsenden Bewegung von Po Quote Regie an!

Schreiben Sie mit uns Geschichte! 

Unterschreiben Sie, leiten Sie Emails und Aktionen weiter, werden Sie Mitglied, spenden Sie!

Die Links zu den Studien sowie die vollständigen Listen der Unterstützer, der Ereignisse, Aktionen und Auftritte von Pro Quote Regie nden Sie auf der Seite www.proquote-regie.de 

Pro Quote Regie e.V. www.proquote-regie.de

Mehr

POLITISCHE MAßNAHMEN

Posted by on Feb 3, 2017 in POLITIK | Keine Kommentare

STATUS QUOTE
Die Macht der Bilder gerecht verteilen Gravierende Lohnunterschiede ausgleichen 

Bilder prägen unsere Wertvorstellungen, unsere Ideen und Ideale. In ihnen spiegelt sich die Kultur einer Gesellschaft. Wer die Bilder macht, hat die Macht, transportiert Werte und beeinflusst unsere Zukunft. Frauen und Männer nehmen sich in ihren Geschlechterrollen unterschiedlich wahr und nur ein faires Geschlechterverhältnis vor und hinter der Kamera bildet die Gesellschaft in ihrer Vielfalt ab. Die Perspektiven von Frauen müssen vorkommen!

Medien hinken der Realität hinterher 

Die Welt in Filmen hinkt der Realität hinterher: 40% aller Frauen arbeiten, in fiktionalen Rollen sind es nur 20%, davon nur 1% als Managerinnen, Politikerinnen oder Wissenschaftlerinnen. Die Studie „Gender Bias Without Borders“, in der die zehn erfolgreichsten Filme unterschiedlicher Länder untersucht werden, ergab: Im Bereich der sexualisierten Darstellung von Frauen liegt Deutschland an der Spitze! Die Hauptverantwortliche Dr. Stacy I. Smith: „Die Ergebnisse zeigen, dass wir weltweit mehr haben als nur ein Filmproblem…Wir haben ein Menschheitsproblem.“

Nur 15% der Kinofilme entstehen unter weibliche Regie. Regisseurinnen bekommen max. 10% der Fördergelder, obwohl Frauen nahezu die Hälfte der Hochschulabschlüsse im Fach Regie ausmachen. Die Problematik beginnt lange vor der Einreichung bei der Filmförderung. Projekte von Frauen werden schon im Entwicklungsstadium übersehen oder in den Low Budget Bereich verwiesen. An der Qualität der Stoffe liegt es nicht; eine Studie der Universität Rostock von 2015 zeigt, dass Filme von Frauen im Verhältnis häufiger und länger auf Festivals laufen und deutlich mehr Preise gewinnen. Und das obwohl sie mit weniger Budget produziert wurden!

Nadelöhr Fernsehen 

Das Fernsehen spielt in der deutschen Filmlandschaft eine entscheidende Rolle. Pro Quote Regie spricht auch vom „Nadelöhr Fernsehen“. Kaum ein Kino lm entsteht ohne Sender, die meisten Filmförfderanstalten verlangen bei ihren Einreichungen eine Senderbeteiligung. Und so sind die inkonsistenten Filmemacherinnen-Biografien meist auf die mangelnde Beschäftigung bei den Sendern zurückzuführen. Hier werden nicht nur die „bread-and-butter-jobs“ verteilt, es werden auch Profile entwickelt und Netzwerke aufgebaut. Nur 12% der Sendeminuten in der Primetime von 18:00 bis 23:00 Uhr werden beim ZDF von Regisseurinnen inszeniert. Bei der ARD sind es 15 %. Der Deutsche Kulturrat hat in seiner Stellungnahme zur Studie „Frauen in Kultur und Medien“ angemerkt, dass besonders bei der Beschäftigung durch öffentlich-rechtliche Anstalten, die einen kulturellen Auftrag haben, Gendergerechtigkeit umzusetzen ist. Es gibt bereits im Rundfunkstaatsvertrag und in fast allen Sendevereinbarungen einen allgemeinen Gleichstellungsparagraphen und innerhalb der Sender arbeiten Gleichstellungsbeauftragte. Die Mehrzahl der kreativen Filmschaffenden ist aber freischaffend und wird von Produktionsfirmen, die im Auftrag der Sendeanstalten arbeiten, nur mit kurzen Zeitverträgen angestellt. Von den Sender- Verantwortlichen heißt es, eine Regulierung an dieser Stelle sei ein Eingriff in privatwirtschaftliche Entscheidungen. Hier greifen weder die Forderungen des Deutschen Kulturrates noch die bisherigen gesetzlichen Maßnahmen.

„Gerechte Beteiligung an den gesellschaftlichen Ressourcen ist eine Grundforderung der Demokratie!“ ( Jutta Brückner)
In Deutschland werden Film- und Fernsehproduktionen zu 95% aus öffentlichen Geldern finanziert. Es ist die politische Pflicht aller Institutionen aktiv auf eine Verbesserung der Situation hinzuarbeiten und Schranken und Hindernisse abzubauen.

Schon vor 45 Jahren ist der Verband der Filmarbeiterinnen, unter ihnen die Regisseurinnen Margarethe von Trotta, Monika Treut und Helke Sander, mit den gleichen Forderungen wie Pro Quote Regie heute an die Öffentlichkeit gegangen. Damals wurden die Filmemacherinnen damit vertröstet, dass die Zeit, die Dinge von allein regeln werde. Die Lösung hieß: Selbstverpflichtung. Auch der Verband FidAr (Frauen in die Aufsichtsräte) begann vor 10 Jahren mit der Forderung nach einer Selbstverpflichtung. Im letzten Jahr wurde schließlich als einzig erfolgversprechende Maßnahme das erste Gesetz für eine Quote durch den Bundestag verabschiedet.

Fazit nach 45 Jahren erfolgloser Selbstverpflichtung: Die Quote ist das einzig wirksame Mittel, um eine längst überfällige Entwicklung einzuleiten. Sie muss von anderen Maßnahmen, wie z.B. der paritätischen Besetzung von Gremien, einem kontinuierlichem Gender Monitoring und Change- und Genderseminaren begleitet werden.

DIE QUOTE, DAS EINZIG WIRSKAME MITTEL:
„GEGEN EINE ALTMODISCHE IRRELEVANTE FILMINDUSTRIE.“ 

Im Filmförderungsgesetz (FFG) sollte festgeschrieben werden, dass mindestens 40% der Fördergelder an Projekte mit Regisseurinnen vergeben werden müssen. Dadurch werden Anreize für Produktionsfirmen und Sender geschaffen, die weiblichen Regie-Talente in den Wettbewerb zu bringen.

Ein Blick nach Schweden lohnt sich: Hier hat eine Zielvorgabe bewirkt, dass der Anteil von staatlich geförderten Filmen von Regisseurinnen innerhalb von 10 Jahren von 19% auf 50% gestiegen ist. Anna Serner, die Leiterin des Schwedischen Filminstitutes betont, es gehe bei der Zielvorgabe allein darum, die besten Männer und die besten Frauen zu fördern. „Uns war bewusst, wenn wir die weiblichen Talente weiterhin ausschließen, entscheiden wir uns für eine altmodische, irrelevante Filmindustrie“, so Hjalmar Palmgren, Direktor der Filmförderung heute.

Die Medienwissenschaftlerin Professor Maya Götz sagt, dass die Beschäftigung einer Frau in der Regie weitere Frauen in kreativen Führungspositionen wie z.B. Kamera oder Ausstattung nach sich zieht. Dies belegt auch eine aktuelle Auswertung der Grimmepreise der letzten Jahre auf dem Blog „Gedanken einer Schauspielerin“: „Filme, bei denen eine Frau Regie führte, zeigen insgesamt die höchsten Werte (bei der Beschäftigung von Frauen) bei Kamera, Ton, Schnitt und Drehbuch (61,5%!).“

WAS ES SONST NOCH BRAUCHT: 

Gendermonitoring per Gesetz: Zahlen kontinuierlich erheben 

Einzelne erfolgreiche Filme verzerren das Bild. Nur die kontinuierlich Erhebung von Zahlen kann eine Entwicklung oder Stagnation aufzeigen: Das viel zitierte „Kinojahr der Frauen“ mit Filmen wie „Toni Erdmann“, „Vor der Morgenröte“ oder „Wild“ täuscht darüber hinweg, was der aktuelle Diversitätsbericht des Bundesverbands Regie zeigt: Die Zahl der Kinofilme von Frauen ist rückläufig. Im Jahr 2015 hat sie mit 15% im Erfassungszeitraum von 6 Jahren einen traurigen Tiefstand erreicht. Nach Analyse der DFFF Förderzahlen erreichen nur etwa 10% der Fördergelder Projekte von Frauen, zudem sind sie meist im Low-Budget Bereich angesiedelt.

Öffentlich-rechtlicher Rundfunk: In den Jahresberichten soll in Zukunft über die Anteile von Frauen und Männern bei der Auftragsvergabe im Bereich Regie, Drehbuch, Produktion und Kamera berichtet werden. Und es soll über die Gremienbesetzung und Maßnahmen zur Geschlechtergerechtigkeit informiert werden.

Filmförderung: In den Berichten aller Filmförderer soll über die Gewichtung ihrer Förderung von Frauen und Männern Auskunft gegeben, und der Faktor Fördersumme ausgewiesen werden.

Filmhochschulen: In den Jahresberichten der Filmhochschulen und Universitäten soll über die Anteile der weiblichen und männlichen Studierenden sowie der Lehrenden informiert werden. Und es soll über die Maßnahmen mit dem Ziel der Geschlechtergerechtigkeit informiert werden.

Paritätische Besetzung der Gremien 

Aufsichts- und Beratungsgremien sollen geschlechtergerecht und zeitgemäß besetzt werden:

Öffentlich-rechtlicher Rundfunk: Die Forderung nach einer paritätischen Besetzung des Rundfunkrates, sowie aller Gremien muss im Rundfunkstaatsvertrag schärfer formuliert werden. Die Besetzung der Rundfunkräte muss ein Abbild der gesellschaftlich relevanten Verbände und Gruppierungen sein.

Jurys und Auswahlgremien, die durch öffentliche Mittel finanziert werden, sollen paritätisch besetzt werden:

Filmförderung: Ziel ist eine echte Parität in allen Jurys und Gremien der Filmförderungsanstalt (FFA) und der Länderförderer. In der gerade verabschiedeten Novelle des FFG fängt sie schleichend bei 30% an.

Filmhochschulen: Die Aufnahmegremien an den Hochschulen und Universitäten sollen paritätisch besetzt werden.

Change Seminare: Stereotype verstehen
Verbindliche Change- und Genderseminare für Jurymitglieder und Senderangestellte in Führungspositionen wirken stereotypen Wahrnehmungskriterien bei der Beurteilung von Projekten und Personen entgegen.

Filmerbe von Regisseurinnen sichtbar machen und erhalten 

Es bedarf dringender Maßnahmen, um das Filmerbe von Frauen sichtbar zu machen und zu erhalten.

Unter den 35 Filmen des Filmkanons, der von der Bundeszentrale für Politische Bildung herausgegeben wird und ein Querschnitt der Filmgeschichte darstellen soll, be ndet sich kein Film einer Regisseurin.

2012 erhielten zu 100% Filme von Regisseuren FFA-Förderungen zur Digitalisierung des deutschen Filmerbes. 2013 und 2014 betrug der Männeranteil 91,2%.

In der aktuellen Liste der knapp 700 lmhistorisch wertwollen und förderungswürdigen Filme des Kinematheksverbund sieht es ähnlich aus: 95,5% Regisseure versus 4,5% Regisseurinnen.

Lohnlücke schließen, heißt die sozialen Standards verbessern 

Die Studie „Frauen in Kultur und Medien“ hat gezeigt, dass der Gender Pay Gap in der Kulturbranche 24% beträgt, im Bereich Regie und Dramaturgie sogar 36%. Eine aktuelle Erhebung der Filmschaffen- den e.V. über „Die Situation von Film und Fernsehschaffenden im Jahr 2015“, stellt bis zu 75% Lohnunterschiede in einzelnen Gewerken fest.

In einer Branche, in der künstlerische Reputation und Erfahrung wichtige Beurteilungskriterien sind, bedeutet mangelnde Beschäftigung auch schlechtere Bezahlung. Schon jetzt sind Frauen in der Branche in unverhältnismäßig höherem Maße von Altersarmut bedroht als deren männliche Kollegen. Eine Frauenquote in den kreativen Führungs- und Schlüsselpositionen wie Regie, Kamera, Drehbuch und Produktion fördert Lohngerechtigkeit und faire Arbeitsbedingungen.

Filmförderinstitutionen und öffentlich-rechtliche Sender stehen hier in der Verantwortung. Sie sollten dazu angehalten sein, ein Augenmerk auf die sozialen Standards, bei den von ihnen in Auftrag gegebenen Produktionen, zu haben. Dazu gehört, neben der Einhaltung von Tariflöhnen, auch die Lohngerechtigkeit und die ausreichende Beschäftigung von Frauen in Führungspositionen. Firmen, die diese Standards nicht einhalten, könnten für eine bestimmte Zeit von Aufträgen, sowie dem Erhalt von öfffentlichen Fördergeldern ausgeschlossen werden.

Familienfreundliches Drehen geht – und hat Zukunft! 

Die Grundbedingungen für eine größere Familienfreundlichkeit wären gegeben, dennoch hat die Filmbranche Nachholbedarf. Die oft gedankenlos eingeforderte Präsenzkultur ist gerade bei den flexiblen Arbeitszeiten der Filmproduktion vermeidbar. Die Arbeitszeiten, besonders in der Vorbereitungszeit, sind sehr gut an Schul- und Kindergartenzeiten anpassbar.

In vielen Bereichen reicht ein Umdenken. Wenn es beispielweise darum geht, die durch Familienzeiten entstandenen Lücken im Lebenslauf richtig zu beurteilen. Bisher werden sie wenig hinterfragt und meist mit Talent- und Auftragsmangel gleichgesetzt. Frauen wird der Wiedereinstieg in den Beruf unnötig schwer gemacht

Ausreichende Kinderbetreuung muss Teil der sozialen Standards werden. Inzwischen gibt es an Filmhochschulen, wie z.B. der HFF München, eine Kinderkrippe, aber was passiert, wenn die jungen Eltern ins Berufsleben einsteigen? Noch gehören Kinderbetreuungsangebote am Set zum Ausnahmefall. Hier können besondere Förderangebote und finanzielle Aufstockungen durch die Sender helfen.

Damit soziale Standards eingehalten werden, muss mehr Geld in die einzelnen Produktionen fließen. Weil trotz der eingeführten Standards die durchschnittlichen Drehtage nicht aufgestockt wurden, gehen schon jetzt die zurecht begrenzten Dreharbeitszeiten auf die Qualität der Produktionen.

Die in den letzten Jahren vor allem bei den Auftragsproduktionen der Sender betriebene Sparpolitik muss ein Ende haben. Die Dreh- und damit die Arbeitsbedingungen dürfen sich nicht noch weiter verschlechtern.

Pro Quote Regie e.V. www.proquote-regie.de

Mehr

Bubble Talk Berlinale 2017

Posted by on Jan 30, 2017 in BERLINALE 2017, EVENTS | 1 Kommentar

Täglich BUBBLE-TALK vom 10. bis 13. Februar, ab 18:00 Uhr 

Potsdamer Platz, Potsdamerstraße 2, neben dem Filmmuseum 

Freitag, 10. Februar 

15.00 Uhr: Der Fotograf Martin Schoeller baut sein Fotostudio in der Bubble auf und portraitiert die Filmautorinnen der 70er und 80er Jahre.

19.00 Uhr: Fulminante Eröffnung mit DJ und Wein mit DJ Lotterleben

Get together mit illustren Gästen aus der Film- und Fernsehbranche und aus der Politik. Kommen Sie vorbei. Diskutieren und feiern Sie mit!

Samstag, 11. Februar 

12:00 – bis 18:00 Uhr:

Bubble Talk und Interviews mit altbekannten Größen des Autorenkinos

Wir freuen uns, unter anderem Helke Sander, Monika Treut, Claudia von Alemann, Alexandra von Grote und Elfie Mikesch in der Bubble begrüßen zu dürfen.

ab 18:00 Uhr: Queens of Musik – DJane Claudia Basrawi

Get together mit illustren Gästen aus der Film- und Fernsehbranche und aus der Politik. Kommen Sie vorbei. Diskutieren und feiern Sie mit!

Sonntag, 12. Februar

12:00 Uhr bis 18:00 Uhr:

Bubble Talk der Kolleginnen der AG Dok: 

„Mut zum Geld! Wie kommen Frauen zu höheren Budgets?“

ab 18:00 Uhr: Queens of Music – mit DJane Save the Animals (Neun Volt Records)

Feierliche Preisverleihung des Handyfilmwettbewerbs!

Get together mit illustren Gästen aus der Film- und Fernsehbranche und aus der Politik. Kommen Sie vorbei. Diskutieren und feiern Sie mit!

Montag, 13. Februar

12:00 bis 18:00 Uhr: Bubble Talk. Zu Besuch: die Filmhochschulen 

14:00Uhr: Talk mit Studierenden aus München und Kairo

15.30 Uhr: Talk mit PQR-Regisseurinnen und Prof. Monika Grütters MdB, Staatsministerin für Kultur und Medien

17:00Uhr: Professorinnen-Talk u.a. mit HFF Präsidentin Bettina Reitz, Geschäftsführerein ifs-Köln Simone Stewens, Studienleiter DFFB Bodo Knappheide, Prof. HFF Potsdam Angelina Maccarone, Prof. HFF Potsdam Barbara Albert, Gleichstellungsbeauftragte HFF Potsdam Susanne Foidl.

ab 18:00 Uhr Closing Night mit DJane Chica Paula

Mehr