Posted by on Apr 6, 2016 in ALLES, PRESSESPIEGEL | Keine Kommentare

Süddeutsche Zeitung | Interview von Carolin Gasteiger
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/medien/regisseurinnen-beim-ard-krimi-wir-frauen-sind-keine-kreativen-zweiter-klasse-1.2926256

(…) hinter der Kamera sind Frauen noch rar. Im vergangenen Jahr, also von Ostern 2015 bis einschließlich Ostern 2016, haben in 40 Fällen gerade mal drei Frauen Regie geführt. Claudia Garde ist die einzige, die das sogar zwei Mal tat.

(…)

Aber das hat sich doch inzwischen geändert.
Zum Glück. Aber im Bereich Regie ist das Missverhältnis zwischen Frauen und Männern immer noch beachtlich. Das hat mit Seilschaften zu tun, die zum Teil in der Studienzeit entstanden sind, mit Traditionen und sicher auch mit einem Frauenbild, das überholungsbedürftig ist. Wie in der Wirtschaft auch, tut sich die Filmbranche schwer, ein scheinbar gut funktionierendes und recht homogenes Feld für Frauen zu öffnen.

(…)

Der Regieverband Pro Quote, in dem Sie auch Mitglied sind, fordert seit langem eine gerechtere Geschlechteraufteilung. Die ARD hat auf diese Kritik reagiert und will künftig bei jedem fünften TatortPolizeiruf oder ARD-Mittwochsfilm eine Frau Regie führen lassen. Ist diese Quote notwendig?

Anders geht es nicht, denn von allein wird sich wenig ändern. Auch das macht uns die Wirtschaft vor. Mit der Quote geht es erst mal nur darum, dass Frauen die Möglichkeit bekommen, in einen Auswahlprozess einbezogen zu werden. Diese Chancengleichheit brauchen wir. Für manche Stoffe, Kriegsthemen etwa wie Unsere Mütter, unsere Väter, werden Frauen als Regisseurinnen kaum oder gar nicht angefragt. Eine amerikanische Produzentin erzählte mir neulich, dass Regisseurinnen in Amerika für viele der großen Filme von den Studios kommentarlos abgelehnt würden, eben weil sie Frauen sind. Sie war ganz stolz darauf, dass es ihr gelungen war, Agnieszka Holland (polnische Regisseurin, Anm. d. Red.) nach langem Ringen für ein Projekt durchzusetzen. Das ist lächerlich und in der heutigen Zeit nicht vertretbar. Wir sind keine Kreativen zweiter Klasse, unter uns gibt es gute und schlechte Regisseurinnen und in diesem Punkt ähneln wir doch sehr unseren männlichen Kollegen.

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